Montag, Oktober 30, 2006
Der Winter ist da...
Pünktlich zur gestrigen Umstellung von der Sommer- zur Winterzeit, die uns auch hier in Moskau eine zusätzliche Stunde bescherrt hat, ist auch das dazugehörige Wetter eingetroffen. Gestern abend fielen die ersten Schneeflocken und heute morgen sieht das dann so aus, bei -2 Grad...
Dienstag, Oktober 24, 2006
Russischer Studienalltag
Der Alltag ist eingekehrt, sowohl im allgemeinen als auch im studienbesonderen. Daher gibt's zur Zeit auch wenig Neues hier aus Moskau. Aber irgendwie ist das auch schön. Jeden Tag die gleiche Runde, und am Ende kommt dann hoffentlich fließendes Russisch und ein guter Studienabschluß bei raus. Allerdings gibt's beides auch nicht umsonst. Haus- und sonstige Arbeiten gibt es viele und regelmäßig, sowohl für die inhaltlichen Studienfächer als auch den begleitenden Russischkurs.
Apropos Hausarbeiten. Heute habe ich mal wieder einen sehr krassen Unterschied zwischem dem deutschen und dem russischen Uni-System feststellen können. Es betrifft den Umgang mit den Studenten. Heute ging es darum, dass wohl einige Studenten für die Zwischenhausarbeiten, die wir zur letzten Stunde abzuliefern hatten, Plagiate abgegeben haben. Nun, das kommt ja auch in Deutschland vor. Aber die Leute wurden hier vor der gesamten Klasse namentlich benannt und sie mußten sich vor allen rechtfertigen! Das würde in Deutschland so wohl eher nicht vorkommen, sondern man würde die betreffenden Studenten zu dem Professor zitieren und das dann dort im Zwei-Augen-Gespräch klären, ggf. mit den notwendigen Konsequenzen. Ich weiß nicht, ob wir nicht in Deutschland manchmal zu "politisch korrekt" sind, aber die öffentliche Bloßstellung heute war schon etwas befremdlich.
An diesen Vorfall schloss sich dann das Verlesen der Namen der übrigen Kursteilnehmer mit den dazu gehörenden Noten an, allerdings ohne vorherige Befragung, ob alle damit einverstanden wären. Bei uns in Deutschland geht man zumeist den anonymen Weg über die Matrikelnummer, die man dann an irgendeinem Aushang mit den dazugehörigen Noten erfahren kann.
Ein weiterer Unterschied: knapp die Hälfte der Klasse hatte eine "Fünf", hier die beste Note bekommen, der Rest hatte zumeist eine gute oder schlechte "Vier" (bei uns also eine 2). Durchgefallen war keiner, natürlich bis auf die drei Plagierenden.
Und schließlich ein allerletzter Unterschied: die Korrektur unserer Hausarbeiten hat genau eine Woche gedauert. Letzte Woche abgegeben, diese Woche wiederbekommen. Das hab ich in Deutschland während meines gesamten Studiums nicht erlebt!
Apropos Hausarbeiten. Heute habe ich mal wieder einen sehr krassen Unterschied zwischem dem deutschen und dem russischen Uni-System feststellen können. Es betrifft den Umgang mit den Studenten. Heute ging es darum, dass wohl einige Studenten für die Zwischenhausarbeiten, die wir zur letzten Stunde abzuliefern hatten, Plagiate abgegeben haben. Nun, das kommt ja auch in Deutschland vor. Aber die Leute wurden hier vor der gesamten Klasse namentlich benannt und sie mußten sich vor allen rechtfertigen! Das würde in Deutschland so wohl eher nicht vorkommen, sondern man würde die betreffenden Studenten zu dem Professor zitieren und das dann dort im Zwei-Augen-Gespräch klären, ggf. mit den notwendigen Konsequenzen. Ich weiß nicht, ob wir nicht in Deutschland manchmal zu "politisch korrekt" sind, aber die öffentliche Bloßstellung heute war schon etwas befremdlich.
An diesen Vorfall schloss sich dann das Verlesen der Namen der übrigen Kursteilnehmer mit den dazu gehörenden Noten an, allerdings ohne vorherige Befragung, ob alle damit einverstanden wären. Bei uns in Deutschland geht man zumeist den anonymen Weg über die Matrikelnummer, die man dann an irgendeinem Aushang mit den dazugehörigen Noten erfahren kann.
Ein weiterer Unterschied: knapp die Hälfte der Klasse hatte eine "Fünf", hier die beste Note bekommen, der Rest hatte zumeist eine gute oder schlechte "Vier" (bei uns also eine 2). Durchgefallen war keiner, natürlich bis auf die drei Plagierenden.
Und schließlich ein allerletzter Unterschied: die Korrektur unserer Hausarbeiten hat genau eine Woche gedauert. Letzte Woche abgegeben, diese Woche wiederbekommen. Das hab ich in Deutschland während meines gesamten Studiums nicht erlebt!
Dienstag, Oktober 17, 2006
Osama & Co - befremdliche russische Souvenirs
In Russland ist alles möglich. Was für Politik und Wirtschaft gilt, gilt erst recht für den privaten Lebensbereich. Es gibt nichts, was man nicht kaufen kann, anfangen bei den superteuren glitzernden Luxusprodukten aller Art über ganz verschiedene, nicht immer legale Dienstleistungsangebote bis hin zu solch profanen Dingen wie Souveniren.
Untenstehende Merkwürdigkeit habe ich auf meinem letzten Spaziergang über den alten Arbat, der Touristenmeile von Moskau, gefunden. Wer kauft sich denn bittschön so was?!
Untenstehende Merkwürdigkeit habe ich auf meinem letzten Spaziergang über den alten Arbat, der Touristenmeile von Moskau, gefunden. Wer kauft sich denn bittschön so was?!
Montag, Oktober 16, 2006
Eine Stunde mit Putin und Merkel
Ja, ich habe Putin und Merkel getroffen. Oder besser gesagt gesehen, denn angesichts der Entfernung und der Kürze der Zeit war es eher ein "Begucken aus der Ferne".
Geschehen ist diese denkwürdige Begegnung auf dem "Petersburger Dialog", der letzte Woche in Dresden stattfand und auf dem ich die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Der "Petersburger Dialog" ist ein Forum für den (offenen und ggf. kritischen) Dialog zwischen den Zivilgesellschaften Russlands und Deutschlands, bestehend aus Vertretern aller Teilbereiche wie z.B. Wirtschaft, Medien, Kultur, Politik etc. In der Kanzlerschaft Schröders war der Dialog weniger offen und konstruktiv, sondern diente eher als Selbstbeweihräucherung der jeweiligen Regierungen, immer betonend wie positiv und perfekt die beiderseitigen Beziehungen doch seien.
Diese Lobhudelei hat sich mit der neuen deutschen Regierungschefin nun wieder in einen (potentiell) offenen und kritischen Dialog verwandelt, in dem zwar die positiven Aspekte der Partnerschaft durchaus angemerkt, die kritischen Punkte im Gegenzug jedoch genausowenig ausgespart werden. So waren zum Beispiel in diesem Jahr zum ersten Mal Vertreter regimekritischer russischer Nichtregierungsorgansationen (z.B. Memorial) eingeladen und auch sonst war die Atmosphäre von viel Offenheit sowie zum Teil auch herber Kritik, in beiderlei Richtung, geprägt . Das war für das jeweilige Gegenüber nicht immer ganz angenehm, wurde jedoch dennoch von fast allen als überwiegend konstruktiv bewertet.
Und wo waren da jetzt Putin und Merkel? Nun, die beiden Regierungschefs waren natürlich nicht die ganze Zeit dabei, sondern gaben sich (nur) auf der Abschlußkonferenz für eine Stunde die Ehre. Aber auch diese kurze Stippvisite war sehr aufschlußreich, weniger die jeweiligen Ansprachen, sondern eher das, war man in den Reden zumeist nicht mitbekommt - die Chemie, die drumherum herrschte. Und die war meines Erachtens schon recht positiv und entspannt. Putin und Merkel schienen sich ganz gut zu verstehen und recht häufig miteinander zu scherzen. Manchmal wurde auch Gorbatschow miteinbezogen. Es scheint doch recht hilfreich zu sein, wenn der Gegenüber die Sprache des anderen beherrscht und kein Dolmetscher von Nöten ist.
Geschehen ist diese denkwürdige Begegnung auf dem "Petersburger Dialog", der letzte Woche in Dresden stattfand und auf dem ich die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Der "Petersburger Dialog" ist ein Forum für den (offenen und ggf. kritischen) Dialog zwischen den Zivilgesellschaften Russlands und Deutschlands, bestehend aus Vertretern aller Teilbereiche wie z.B. Wirtschaft, Medien, Kultur, Politik etc. In der Kanzlerschaft Schröders war der Dialog weniger offen und konstruktiv, sondern diente eher als Selbstbeweihräucherung der jeweiligen Regierungen, immer betonend wie positiv und perfekt die beiderseitigen Beziehungen doch seien.
Diese Lobhudelei hat sich mit der neuen deutschen Regierungschefin nun wieder in einen (potentiell) offenen und kritischen Dialog verwandelt, in dem zwar die positiven Aspekte der Partnerschaft durchaus angemerkt, die kritischen Punkte im Gegenzug jedoch genausowenig ausgespart werden. So waren zum Beispiel in diesem Jahr zum ersten Mal Vertreter regimekritischer russischer Nichtregierungsorgansationen (z.B. Memorial) eingeladen und auch sonst war die Atmosphäre von viel Offenheit sowie zum Teil auch herber Kritik, in beiderlei Richtung, geprägt . Das war für das jeweilige Gegenüber nicht immer ganz angenehm, wurde jedoch dennoch von fast allen als überwiegend konstruktiv bewertet.
Und wo waren da jetzt Putin und Merkel? Nun, die beiden Regierungschefs waren natürlich nicht die ganze Zeit dabei, sondern gaben sich (nur) auf der Abschlußkonferenz für eine Stunde die Ehre. Aber auch diese kurze Stippvisite war sehr aufschlußreich, weniger die jeweiligen Ansprachen, sondern eher das, war man in den Reden zumeist nicht mitbekommt - die Chemie, die drumherum herrschte. Und die war meines Erachtens schon recht positiv und entspannt. Putin und Merkel schienen sich ganz gut zu verstehen und recht häufig miteinander zu scherzen. Manchmal wurde auch Gorbatschow miteinbezogen. Es scheint doch recht hilfreich zu sein, wenn der Gegenüber die Sprache des anderen beherrscht und kein Dolmetscher von Nöten ist.
Donnerstag, Oktober 05, 2006
Endlich wirklich angekommen
Nach einiger Zeit hier wieder ein Blog-Eintrag...
Nach einer Übergangszeit in einer Wohnung in der Nähe des MGIMO sind wir, Lisa und ich, letzten Sonntag nun endlich in unser hoffentlich wirklich endgültiges Domizil eingezogen. Es ist wieder im Zentrum, allerdings ein Stückchen weiter nerdlich, an der Ecke der Tverkaja-Jamskaja und dem Gartenring. Da an zwei der vielen Moskauer Hauptverkehrsstrassen gelegen, ist es bei geöffnetem Fenster etwas sehr laut, aber dafür ist unser Zimmer gross, hell und gemütlich.
Die Wohnung befindet sich in einem, ich würde sagen, sehr ursprünglichen Sowjetneubau mit 20 Etagen und ist ausgestattet wie in guten alten Zeiten. In unserem Zimmer haben wir genau die gleiche Schrankwand wie meine Eltern sie damals zur DDR-Zeiten auch hatten. Die scheint hier wirklich (noch) sehr verbreitet zu sein, denn als wir auf unserer Wohnungssuche ein paar andere Zimmer angeschaut haben, ware sie dort ebenfalls zu finden gewesen. Aber ansonsten hat die Wohnung alles, was man braucht: eine Zentralheizung, deren Regulierung leider nicht über einen Drehhahn funktioniert, sondern nur über das Öffnen und Schließen der Fenster; eine moderne Waschmaschine(!) und eine große Küche, in der man gemütlich kochen und sitzen kann.
Da leider die Ausstattung der Wohnung mit Geschirr, Bettdecken, Kissen und Bettwäsche recht spärlich, um nicht zu sagen kaum vorhanden war, waren wir letzten Samstag gleich erst mal bei Ikea. Natürlich hätte man die notwendigen Sachen auch woanders bekommen, aber selbst die Russen haben auf meine Frage, wo ich denn diese Dinge am einfachsten und billigsten bekommen könnte, geantwortet: bei Ikea. Als gesagt, getan und da Ikea ja, wie wir feststellen konnten, wirklich (mit ein paar lokalen Eigenheiten) überall absolut identisch ist, war diese Unternehmung dann auch relativ unproblematisch erledigt. Das größte Problem war wie immer, zu Ikea hinkommen, da auch hier als bevorzugte Lokalität der äußerste Stadtrand gewählt worden war. Aber mit der tollen Moskauer Metro und einem kostenlosen Ikeabus ab der letzten Station, ging auch das.
Da wir im 8. Stock wohnen und die Wohnung riesig-große Fenster in jedem Zimmer hat, , wache ich nun also jeden Morgen auf und kann gleich vom Bett aus erst mal eine Blick auf den Moskauer Himmel einfangen. Heute ist der leider grau und gibt ausgiebig Regen frei. Aber die vergangenen Tage waren im Gegensatz zu meiner Vermutung wettermäßig doch recht schön
gewesen: zumeist Sonnenschein und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Für Moskau um diese Jahreszeit kein sehr typisches Wetter, wie mir viele Russen immer wieder versichern.
Auch mit unserer Mitbewohnerin hatten wir großes Glück. Sie ist zwar keine Einheimische, sondern eine 32-jährige Italienerin. Aber da sie bereits seit vielen Jahren in Russland lebt und daher fließend russisch spricht, ein völlig "adäquater Ersatz" als erhoffter Russisch-Sprachpartner. Sie arbeitet hier als Juristin im Bereich der Menschenrechte.
Da bin ich nun also endlich wirklich in Moskau angekommen und harre sicher und warm der Dinge, die da noch kommen mögen. Mit einem festen, gemütlichen Heim ist eine der Grundbedingungen gegeben, damit auch ein langer, kalter Winter zu einem Wintermärchen werden kann. Nun, ich werde sehen und berichten.
Ach ja, zu guter Letzt noch zwei Fotos, eingefangen einmal beim Blick aus der Küche und einem aus unserem Zimmer.

Nach einer Übergangszeit in einer Wohnung in der Nähe des MGIMO sind wir, Lisa und ich, letzten Sonntag nun endlich in unser hoffentlich wirklich endgültiges Domizil eingezogen. Es ist wieder im Zentrum, allerdings ein Stückchen weiter nerdlich, an der Ecke der Tverkaja-Jamskaja und dem Gartenring. Da an zwei der vielen Moskauer Hauptverkehrsstrassen gelegen, ist es bei geöffnetem Fenster etwas sehr laut, aber dafür ist unser Zimmer gross, hell und gemütlich.
Die Wohnung befindet sich in einem, ich würde sagen, sehr ursprünglichen Sowjetneubau mit 20 Etagen und ist ausgestattet wie in guten alten Zeiten. In unserem Zimmer haben wir genau die gleiche Schrankwand wie meine Eltern sie damals zur DDR-Zeiten auch hatten. Die scheint hier wirklich (noch) sehr verbreitet zu sein, denn als wir auf unserer Wohnungssuche ein paar andere Zimmer angeschaut haben, ware sie dort ebenfalls zu finden gewesen. Aber ansonsten hat die Wohnung alles, was man braucht: eine Zentralheizung, deren Regulierung leider nicht über einen Drehhahn funktioniert, sondern nur über das Öffnen und Schließen der Fenster; eine moderne Waschmaschine(!) und eine große Küche, in der man gemütlich kochen und sitzen kann.
Da leider die Ausstattung der Wohnung mit Geschirr, Bettdecken, Kissen und Bettwäsche recht spärlich, um nicht zu sagen kaum vorhanden war, waren wir letzten Samstag gleich erst mal bei Ikea. Natürlich hätte man die notwendigen Sachen auch woanders bekommen, aber selbst die Russen haben auf meine Frage, wo ich denn diese Dinge am einfachsten und billigsten bekommen könnte, geantwortet: bei Ikea. Als gesagt, getan und da Ikea ja, wie wir feststellen konnten, wirklich (mit ein paar lokalen Eigenheiten) überall absolut identisch ist, war diese Unternehmung dann auch relativ unproblematisch erledigt. Das größte Problem war wie immer, zu Ikea hinkommen, da auch hier als bevorzugte Lokalität der äußerste Stadtrand gewählt worden war. Aber mit der tollen Moskauer Metro und einem kostenlosen Ikeabus ab der letzten Station, ging auch das.
Da wir im 8. Stock wohnen und die Wohnung riesig-große Fenster in jedem Zimmer hat, , wache ich nun also jeden Morgen auf und kann gleich vom Bett aus erst mal eine Blick auf den Moskauer Himmel einfangen. Heute ist der leider grau und gibt ausgiebig Regen frei. Aber die vergangenen Tage waren im Gegensatz zu meiner Vermutung wettermäßig doch recht schön
gewesen: zumeist Sonnenschein und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Für Moskau um diese Jahreszeit kein sehr typisches Wetter, wie mir viele Russen immer wieder versichern.
Auch mit unserer Mitbewohnerin hatten wir großes Glück. Sie ist zwar keine Einheimische, sondern eine 32-jährige Italienerin. Aber da sie bereits seit vielen Jahren in Russland lebt und daher fließend russisch spricht, ein völlig "adäquater Ersatz" als erhoffter Russisch-Sprachpartner. Sie arbeitet hier als Juristin im Bereich der Menschenrechte.
Da bin ich nun also endlich wirklich in Moskau angekommen und harre sicher und warm der Dinge, die da noch kommen mögen. Mit einem festen, gemütlichen Heim ist eine der Grundbedingungen gegeben, damit auch ein langer, kalter Winter zu einem Wintermärchen werden kann. Nun, ich werde sehen und berichten.
Ach ja, zu guter Letzt noch zwei Fotos, eingefangen einmal beim Blick aus der Küche und einem aus unserem Zimmer.

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