Montag, Dezember 25, 2006

C Рождеством! (Frohe Weihnachten!)

Ich wünsche Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!

Ich habe ein solches, wenn auch dieses Jahr ganz anders. Russisch eben. Aber wichtig ist ja nicht unbedingt, dass man Weihnachten jeder Jahr nach genau dem gleichen Muster feiert, sondern dass Ruhe und Besinnung einkehren. Und diese Attribute lassen sich auch hier Moskau finden, trotz aller Hektik und trotz der Tatsache, dass hier wegen der Vorzeitigkeit unseres Festes eigentlich noch so gar keine Weihnachtsstimmung herrscht.

Für mich gehört zu Weihnachten auch eine Weihnachtsmesse, angesichts der Örtlichkeit haben wir uns für eine russisch-orthodoxe entschieden. Russisch-orthodoxe Kirchen sind eine Pracht. Alle Wände sind mit Ikonen und sonstigen Heiligenbildern ausgeschmückt, ohne dass man jedoch das Gefühl hat, es würde einen erschlagen. Die morgendliche Messe war sehr schön, wenn auch ziemlich anders. Während des drei- oder sogar noch mehrstündigen Gottesdienstes ist ein ständiges Kommen und Gehen. Einige, vor allem alte Frauen, bleiben oft die ganze Zeit, andere kommen, gesellen sich zu den anderen stehenden Zuhörern, lauschen den Priestern, verrichten ihre Gebete und gehen wieder. Auch wenn ich nichts von dem Gesagten verstanden habe und es eigentlich auch kein besonderer Gottesdienst war, so kam doch das Gefühl von Weihnachten auf. Etwas ungewohnt war für mich nur, dass die Priester nicht mit und zu den Menschen gesprochen haben, sondern die ganze Zeit, während der wir da waren, in Richtung Altar gebetet haben und daher den Gläubigen ständig den Rücken zugewandt hatten.

Nach dem Gottestdienst haben wir uns dann noch Sergej Posad, eine mittelalterliche Klosteranlage etwas außerhalb von Moskau, angeschaut. Und da es inzwischen endlich etwas geschneit hat, war da endlich auch ein Stückchen des gesuchten russischen Wintermärchens. Leider war die dortige Hauptkirche gesperrt, es fand dort gerade eine Teufelsaustreibung statt. So jedenfalls haben es uns unsere russischen Freunde, die mit uns gefahren waren, erklärt.

Einen krönenden Abschluss fand der Weihnachtstag mit dem Besuch des Bolschoi-Theaters. Wir hatten Karten für "Eugen Onegin", eine der großen russischen Opern, Text von Puschkin, Musik von Tschaikowski. Es war ein Genuss. Eine sehr klassische Aufführung, mit Kostümen und Bühnenbild wie bei der Uraufführung vor 125 Jahren und einem Ensemble, das nicht zu Unrecht Weltruhm genießt.

Alles in allem: Ein wunderschönes Weihnachtsfest, besinnlich und ohne Stress, und das trotz oder vielleicht gerade wegen der Andersartigkeit.

Und heute abend gegen 23 Uhr gehts dann mit dem Nachtbus raus in die russische Provinz, um dort für drei Tage zu leben, wie es ein Großteil der Russen tatsächlich (immer noch) tut. Denn auch die Russen versichern immer wieder: Moskau und Petersburg - das ist nicht Russland!

Berichterstattung folgt.





Donnerstag, Dezember 21, 2006

Ich lebe noch!

Nachdem mich einige besorgte, polonisierte Mailanfragen erreicht haben, hier nun die offizielle Bestätigung: Ich lebe noch und bin soweit gesund! Zum Schweigen haben mich keine Pülverchen gebracht, sondern einfach das riesige Arbeitspensum hier an der Uni. Hier war die letzten Wochen hart arbeiten angesagt. Eine Hausarbeit nach der anderen war zu schreiben, ca. 3 bis 4 pro Woche, hinzu kamen noch jeweils 1 bis 2 Klausuren. Also mehr als reichlich zu tun; da blieb keine Zeit und Muße für den Blog. Vieles war im Vergleich zum deutschen Studium nicht wirklich schwer, aber einfach unglaublich viel. Bin ganz schön auf dem Zahnfleisch gegangen. Totmüde und ausgelaugt bin ich, freue mich auf die Weihnachtsferien. Eigentlich fangen diese hier erst Neujahr an, da ja Weihnachten hier erst am 6. Januar gefeiert wird. Aber wir "westlichen Ausländer" haben schon nächste Woche freibekommen.

Weihnachten geht es dieses Jahr allerdings nicht heim, sondern auf ein russisches Dorf. Lisa, ein paar Freunde und ich fahren für einige Tage dahin, wo es angeblich noch so richtig russisch ist. In ein Dorf ca. 500 km von Moskau entfernt, ohne fließend Wasser, aber immerhin mit Strom. Dort werden wir auf einem Bauernhof wohnen, wo noch alles selbst gemacht wird. Die hofeigenen Kühe geben frische Milche, die Eier geben die Hühner, Brot wird selbst gebacken. Dazu gibt es dann Eingemachtes vom Sommer, Marmelade, Wurst usw. Tagsüber können wir durch den Schnee wandern, auf dem großen Schlitten fahren oder, wenn wir durchgefroren sind, in der Banja (Sauna) wieder aufwärmen. Und einen Weihnachtsbaum gibt's natürlich auch, frisch im Wald geschlagen. Das wird ein erholsamer Gegensatz zu dem ganzen Moskauer Stress in den letzten Wochen und Monaten.

Und Neujahr sind wir dann wieder hier in Moskau. Sylvester auf dem Roten Platz!

Tja, mit dem Studium in Moskau war's das dann auch fast schon wieder. Anfang Januar geht es kurz in die deutsche Heimat, dann kommen hier die großen Prüfungen, insgesamt vier. Im Februar und März wartet dann auf mich das Praktikum in der Duma. Und am 1. April geht es schon wieder heim.

Soweit die Planungen, aber ein bisschen Zeit bleibt ja zum Glück noch. Und ab jetzt werde ich hoffentlich auch wieder häufiger zum Blog-Schreiben kommen.

Und als Einstimmung auf die Feiertage gibts hier vorab schon mal die herzlichsten Wünsche aus der Ferne (eine Übersetzung wird auf Wunsch nachgeliefert):

С Новым счастьем!
С яркой ёлкой на снегу!
Я вам всем желаю счастья
В наступающем году!!!

Mehr in Kürze! :-)

Sonntag, November 26, 2006

Der Präsident kommt...

... räumt die Straßen! Und zwar vollständig!

Ich glaubte vor kurzem meinen Augen nicht zu trauen, als bei einem Blick aus meinem Fenster plötzlich die Straßen wie leer gefegt waren. Das ist umso erstaunlicher, da wir an einer der meistbefahren Straßen wohnen, dem sich rund um das Zentrum Moskaus ziehenden Gartenring, auf beiden Seiten vierspurig. Ein Zustand, den man sonst nicht einmal nachts zu sehen bekommt.

Aber wenn der Präsident dort langfahren will bzw. muss, wird kurzerhand eben einfach mal die Straße gesperrt, für gut 15 - 20 Minuten und das mitten zur Hauptverkehrszeit. Nichts geht mehr, die Straßen sind leergefegt. Bis dann plötzlich ein kleiner Konvoi vorbeigeschossen kommt. Vorn ein paar Polizeiautos, die verifizieren, ob die Straße auch wirklich frei ist und wahrscheinlich ansonsten kurzerhand den Weg wie auch immer freiräumen, in einem kurzen Abstand gefolgt von ein paar gepanzerten Jeeps, in deren Mitte eine große schwarze Limosine fährt. Hinterher kommen dann noch ein paar Begleitlimonsinen und weitere Polizeiautos. Man kann gar nicht so schnell schauen, und schon ist der "Spuk" wieder vorbei (daher gibts leider davon auch kein Foto). Und einige Minuten später rollt dann auch wieder der Verkehr auf der insgesamt achtspurigen Fahrbahn, eng aneinandergereihte Fahrzeuge aller Couleur und Klassen, von uralten Kisten aus Sowjetzeiten bis hin zu neuen, schicken und hochmodernen Riesenautos.

Ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn unsere Kanzlerin durch Berlin fährt. Werden da auch die Straßen vollständig gesperrt?

Mittwoch, November 22, 2006

Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift

Heute hab ich mich mal wieder über eine dieser russischen, nicht immer nachvollziehbaren Vorschriften, derer es leider viele gibt, so richtig geärgert.

Passiert ist folgendes: Seit Tagen brüte ich über einer Arbeit, die wir für die Uni zu schreiben haben. Das Thema lautet: "Mein Plan für eine effektive Waffenkontrolle". So allgemein wie sich das anhört, soll es auch sein. Wir sollen im Fach "Internationale Sicherheit" unseren höchsteigenen Plan zu Papier bringen, wie man erreichen könnte, das es eine bessere Rüstungskontrolle auf der Welt gibt. Also, was sich ganze Herrscharen von Diplomaten und sonstigen Experten seit Jahrzehnten vergeblich zum Ziel gesetzt haben, auch wir sollen uns daran versuchen und ein kurzes Essay von 1-2 Seiten dazu schreiben. Nun ja, soweit, so gut.

Nachdem ich das erste Papier, welches wir für diesen Prof. zu schreiben hatten, beim letzten Mal auf Englisch aufgegeben habe (ich darf zur Zeit in einigen Fächern meine Arbeiten noch auf Englisch schreiben), hat dieser Prof. diesmal darum gebeten, dass auch ich meine Arbeit auf Russisch abgebe. Fair enough. Abgabetermin ist morgen früh im Kurs. Und bei dem hiesigen Arbeitspensum habe ich mich, wie das meistens so ist, natürlich auch erst wieder auf den letzten Drücker an die Arbeit gemacht. Das meiste habe ich in Nachtarbeiten daheim zu Papier gebracht, aber die letzten Zeilen dann erst heute im Computerraum der Uni. Und während ich so sitze und arbeite, erscheint plötzlich eine Warnung (natürlich auf Russisch) auf meinem Computer. Und ehe ich schnell genug lesen konnte, was da steht, fährt auch schon mein Computer runter. Ich war gerade auf der letzten Seite der Übersetzung meiner Arbeit vom Deutschen ins Russische, die dank eines tollen Internet-Übersetzungsprogramms doch relativ unproblematisch von Statten gegangen war. Andererseits hatte mir auch Studienkollegen angeboten, mir bei der Übersetzung zu helfen.

Und plötzlich war alles weg! Die ganze Arbeit der letzten Stunden - der letzten zwei Stunden, um genau zu sein, wie ich dann sogleich erfahren durfte. Ein ungläubiger und unsicherer Blick zur Aufsichtsperson des Computerraums wurde dann sogleich mit einer Anwort beehrt: "Only two hours, next time, tomorrow again". Ich versuchte ihr dann zu erklären, dass sich meine ganze Arbeit auf dem Computer befunden hätte und ich nicht mehr dazu gekommen war, die Datei richtig abzuspeichern. Ich hatte zwar, vorsichtig wie ich bin, eine Version auf dem Arbeitsplatz gespeichert, nur war dieses Dokument beim Wiederhochfahren dann leider verschwunden. Auf alle Ewigkeit. Zwei Stunden harte Arbeit umsonst. Pech gehabt. "Tomorrow again, two hours".

Nun, eigentlich macht diese Vorschrift unter bestimmten Bedingungen ja Sinn. Zum Beispiel mittags, wenn viele Studenten die Computer benutzen wollen. Aber zu der fraglichen Zeit waren schon seit geraumer Zeit zwei Drittel der Arbeitsplätze unbesetzt, niemand hatte auf meinen Platz gewartet. Und trotzdem: Es war nichts zu machen. "Only two hours, tomorrow."

Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...

Eine ähnliche Vorschrift gibt es übrigens auch dahingehend, dass eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeiten niemand neues mehr an die Arbeitsplätze rangelassen wird, auch nicht für nur zwei Minuten, um etwas auszudrucken. Selbiges ist meinem Studienkollegen Bastian neulich passiert, der eine der Arbeiten unbedingt schnell noch abends ausdrucken wollte/musste, da morgens vor Unterrichtsbeginn der PC-Raum noch nicht geöffnet hat. Aber es war leider bereits 18.35 Uhr und um 19.00 Uhr macht der Computerraum zu. Also, keine Zuteilung mehr eines Computers.

Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...

Zum Glück sah er einen anderen Studienkollegen an einem der Computer sitzen und ging zu ihm hin, um dort kurz über dessen PC das Dokument auszudrucken. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Denn da kommt schon die nächste Vorschrift zum Tragen: an jedem Computer darf nur eine Person arbeiten. Und was Bastian da versuchte, sei ja die Höhe und wurde umgehend dahingehend geahndet, dass der Freund, der ihn an seinen Computer gelassen hatte bzw. lassen wollte, gleich mal seinen Computer-Zugang für einen Monat gesperrt bekommen hat. Da könnte ja jeder kommen.

Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...

Die gilt es einzuhalten, egal was. Ausnahmen von der Regel gibt es zumeist nur zwei: entweder Du bist mit der entscheidenden Person gut befreundet und bekommst quasi ein Auge zugedrückt oder Du bist der/die Vorgesetzte und darfst die Regel sowie brechen oder gleich ganz ändern. Alle anderen müssen sich an die jeweilige Vorschrift halten. Sinnvolle, situationsgerechte Einzelfallentscheidungen gibt es nicht. Denn das würde bedeuten, dass die betreffende Person für eine Fehlentscheidung ggf. auch die Verantwortung übernehmen muss. Dies ist allerdings ein Zustand, den fast alle Russen zu vermeiden versuchen, aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich spielt da die Geschichte, 70 Jahre Kommunismus und auch die Zarenzeit, eine nicht unerhebliche Rolle. Und so lange auch die letzten Relikte dieser Zeit nicht überwunden sind, gilt strengstens und ohne Ausnahme:

Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift...

Dienstag, November 21, 2006

Die strenggeheimen Kreml-Protokolle

Wer vor kurzem den "Spiegel" No. 46 gelesen hat, dem ist bestimmt noch die Titelstory in Erinnerung - betreffend die Kreml-Protokolle aus den Jahren 1985 bis 1991. Also die ganz geheimen Aufzeichnungen aus dem Inneren der Sowjetmacht während der Zeit Gorbatschows.

Auch ich habe diese ungemein spannende Titelgeschichte mit größtem Interesse gelesen, teuer habe ich zudem dafür bezahlt. Um in Moskau nicht ganz den Anschluß an die Geschehnisse in Deutschland zu verpassen, gönne ich mir auch hier den "Spiegel" jede Woche für 350 Rubel, umgerechnet gute 10 Euro (!).

Angeregt von dem spannenden Artikel habe ich mich denn auch gleich auf den Weg zu einem der größten der in Moskau wirklich unzähligen Buchläden gemacht, um dort das Buch "Im Politbüro des ZK des KPdSU", auf das sich der Spiegel-Artikel bezog, zu erwerben. Nachdem ich der Verkäuerin verständlich gemacht hatte, was ich denn möchte, meinte sie nur kurz angebunden: Mal schauen, ob noch ein Exemplar da ist, ich glaub ja nicht. Aber ich hatte Glück und hielt in meinen Händen doch tatsächlich das letzte vorhandene Exemplar dieses 784-seitigen Werkes, das erst vor zwei Wochen erschienen und offensichtlich doch schon vergriffen ist. Herausgegeben wurde das Buch von der Gorbatschow-Stiftung und enthält die Aufzeichnungen dreier enger Vertrauter Gorbatschows, die ab 1985 festgehalten haben, was damals in den Sitzungen des sagenumwobenen und strenggeheimen Zirkel so gesprochen und gedacht wurde.

Ob ich mir diesen dicken Schmöker auch wirklich kaufen sollte, dessen war mir allerdings nicht so sicher. Zum einen ist mein Russisch ja noch in den Anfängen, zum anderen hat mich der Preis von 669 Rubel (ca. 19 Euro) etwas abgeschreckt. In dem Spiegel-Artikel war noch ein Preis von 555 Rubel vermerkt, der, wie ich dann sah, unter dem aktuellen Preis tatsächlich auch noch verzeichnet war. Angesichts der großen Nachfrage hatte man aber den Preis wohl einfach erhöht, eine Buchpreisbindung scheint es in Russland also nicht zu geben. Aber da mich das Thema wirklich interessiert, mein Russisch hoffentlich mit der Zeit besser wird und zudem völlig unklar ist, ob und wenn ja wann es eine deutsche Übersetzung des Buches geben wird, habe ich mich doch zum Erwerb entschlossen.

Und so werde ich nun mittels dieser Lektüre versuchen, tiefer in das damalige Denken der Sowjetmacht vorzudringen und so ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum die Geschichte so verlaufen ist, wie wir sie erlebt haben - falls neben meinen vielen Arbeiten, die ich für die Uni schreiben muss, überhaupt noch Zeit zum Lesen übrigbleibt.

Sonntag, November 19, 2006

Kulturgenuß in Moskau

Die Kulturlandschaft in Moskau ist zu Recht in aller Welt berühmt. Es ist schon erstaunlich, was es hier alles an Angeboten gibt. Aber noch erstaunlicher ist aus meiner Sicht, wie stark frequentiert die hiesigen Angebote sind. Während man in Deutschland ja öfter mal in einem halbleeren Saal sitzt und auch die Anbieter recht häufig über mangelndes Interesse klagen, kann ich dies hier nicht beobachten. Im Gegenteil. Wenn man nicht schnell genug ist, bekommt man keine Karten mehr, egal wofür. Und obwohl hier die Karten zum Teil einem Monatslohn entsprechen, sieht man auch viele "normale" Leute im Publikum. Kunst füllt zwar nicht den Magen oder Ofen, scheint aber für viele Russen trotzdem ein notwendiges Lebenselixier zu sein.

Nachdem unser hiesiges Leben nun so langsam in geregelten Bahnen verläuft, haben wir endlich auch Zeit und Muße, das tolle Kulturangebot Moskaus etwas mehr auszuprobieren. So waren Lisa und ich, begleitet von zwei sehr netten Russinnen, die Lisa auf einer ihrer Wanderungen kennengelernt hatte, letzte Woche zum Beispiel in der Tretjakow-Galerie. Und haben uns dort von Olga und Mascha die Schätze der russischen Malerei erklären lassen, auf Russisch. Und zu unser aller Erstaunen ging das recht gut. Tja, Kunst spricht wohl doch eine eigene Sprache.

Konzerttechnisch fing unser Kulturgenuß schon mal vor gut drei Wochen mit einem Besuch des Moskauer Konservatoriums an, wo wir uns Arien und Lieder verschiedener Komponisten anhören wollten, vorgetragen von einer Sopran-Solistin und einer Pianistin. Leider muss ich sagen, dass dieser Abend eher ein Reinfall war. Die Sängerin war ziemlich grauslich (einhellige Meinung innerhalb unserer Gruppe): sie traf kaum einen Ton, gebärdete sich dafür aber umso gezierter und warf alle paar Minuten ihre blonde Mähne und den recht üppigen Busen auf der Bühne von einer Seite auf die andere, als wäre sie DIE Starattraktion Moskau schlechthin. Wir haben dann ein wenig spekuliert, wie sie den Bühnenauftritt bekommen hat, mit dem Ergebnis, dass auch die Russen in unserer Gruppe auf zwei verschiedene Varianten getippt haben.

Aber das hat uns trotzdem nicht abschrecken können, zumal uns versichert wurde, dass dies eigentlich nicht dem Niveau des Moskauer Konservatoriums entspricht. Daher probieren wir es diesen Freitag noch einmal aus, diesmal im großen Saal mit dem Staatlichen Nachwuchs-Sinfonie-Orchester. Gespielt wird Tschaikowski und Mozart - das dürfte eigentlich nichts schief gehen.

Und da wir gerade im Kartenkaufrausch waren und wir zudem die Zeit, die uns noch bleibt, gut nutzen müssen, haben wir uns gleich noch nach Opern- bzw. Balletkarten umgeschaut. Für die Klassiker "Nussknacker" bzw. "Schwanensee" waren Karten leider nur ab 100 Euro zu haben, was leider unseren finanziellen Mitteln nicht so ganz entspricht. Aber dafür schauen wir uns in zwei Wochen "Nabucco" von Verdi an. Und am 24. 12. dann "Eugen Onegin" von Tschaikowski. Kann es bei einem Weihnachten in Russland etwas schöneres geben, als am 24.12. im Bolschoi-Theater die Kunst der beiden größten Russen, Puschkin (Autor des "Eugen Onegin") und Tschaikowski, zu genießen?!

Dienstag, November 07, 2006

Es hat endlich "Klick" gemacht!

Entgegen meiner sonst hervorragenden Tiefschlafgewohnheit bin ich heute mitten in der Nacht aufgewacht. Der Grund: ich habe Russisch gedacht bzw. geträumt. Nun, das ist ja eigentlich noch kein Grund aufzuwachen. Aber wenn ich mich recht erinnere, hat mein vorhandes Russisch-Vokabular beim Träumen irgendwie nicht ausgereicht und das hat mich offensichtlich unruhig werden und aufwachen lassen. Und auch kurz nach dem Aufwachen habe ich weiter auf Russisch gedacht, allerdings nur leider nur sehr einfach. Die Worte wollten partout nur auf Russisch und nicht auf Deutsch kommen, waren dabei aber so einfach, dass ich immer und immer wieder dasselbe gedacht habe: Ich kann auf Russisch denken! Ich kann russisch denken! :-)

Und dann habe ich gleich den Verifikationstest gemacht, ob das auch heißt, dass ich endlich auch alles verstehe. Ich hab mir die Kopfhörer meinens IPODs aufgesetzt und einige russische Podcasts der Deutschen Welle-Online, die ich mir vor kurzen drauf geladen habe, angehört. Und? Nun, alles habe ich (leider immer noch) nicht verstanden. aber was schon da war, war das Gefühl, jetzt nicht mehr jedes Wort bzw. jeden Satz übersetzen zu müssen, sondern die Worte reihten sich wie im Deutschen in einem sinnvollen - verständlichen - Zusammenhang aneinander. Zwischendurch tauchten immer mal wieder Worte auf, die ich nicht wußte, aber ich habe trotzdem den Sinn des Gehörten verstanden - trotz der sehr schnellen Sprechgewindigkeit.

Tja, nach gut zwei Monaten ist also offensichtlich wirklich endlich der Moment gekommen, an dem es "Klick" gemacht hat. Ich hatte, ehrlich gesagt, schon fast die Hoffnung verloren. Wie ich heute beim Aufwachen gemerkt habe, heißt das zwar noch lange nicht, dass ich damit auch alles verstehen und sprechen kann, aber die nächste Stufe scheint erreicht zu sein. Das macht Mut, um die bestimmt auch weiterhin auftretenden Schwierigkeiten und Frustmomente zu überstehen.

Und da ich jetzt nicht mehr schlafen kann, es aber erst kurz nach sechs in der Frühe ist, werde ich mir das Kinder-Buch schnappen, das mir meine Russisch-Lehrerin gestern geben hat, und erfahren können, welche Abenteuer "Onkel Fjodor, der Hund und der Kater" so erleben.

Samstag, November 04, 2006

Die Pforten der Macht öffnen sich

In Russland ist alles möglich. Das habe ich wieder einmal - diesmal zum Glück im positiven Sinne - erleben dürfe. Die Pforten der Macht, hier die der russischen Staatsduma (d.h. des russischen Parlaments) werde sich öffnen - für mich und für andere Deutsche, die Lust und Interesse haben, ein Praktikum bei einem russischen Abgeordneten der Staatsduma zu machen.

Was heißt das?

Für mich konkret, dass ich im Februar/März bei einer Duma-Abgeordneten namens Alaexandra Burataeva mein (im Rahmen des Masterstudiums obligatorisches) Praktikum absolvieren werde und auch bis dahin wohl während der ganzen Zeit immer mal wieder in der Duma sein werden.

Für zehn andere Deutsche, dass auch sie ab nächstes Frühjahr jährlich einen Monat lang in der Duma ein Praktikum machen und erfahren dürfen, ob und wie die parlamentarische Demokratie in Russland funktioniert.

Und wie ist das alles gekommen?

Das ist eine etwas längere Geschichte, die ich versuchen will, hier in der notwendigen Kürze wiederzugeben.
Angefangen hat alles mit dem Petersburger Dialog in Dresden, auf dem ich vor kurzem die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Teilnehmer in unserer Arbeitsgruppe der "Zukunftswerkstatt" waren u.a. zwei Duma-Abgeordnete, darunter auch genannte Frau Alexandra Burataeva. Soweit so gut. In der Pause kam ich dann mit Frau Burataeva ins Gespräch und dabei erzählte sie mir, dass sie derzeit versucht, ein Programm zu initiieren, mittels dessen junge Deutsche ein Praktikum in der Duma absolvieren können, entsprechend des deutschen "Internationalen Parlaments-Praktikum" (IPP), das bereits seit 1993 junge Russen in den Bundestag einlädt und das nun auf gegenseitiger Basis ausgebaut werden soll.

Mein noch unorganisiertes eigenes Pflichtpraktikum im Hinterkopf habe ich dann bei Frau Burataeva etwas näher nachgefragt, was das genau für ein Programm sein soll und dabei sind wir auch auf meine eigene Arbeit im Bundestag und die Erfahrungen mit IPP-Stipendiaten zu sprechen gekommen. Mit dem Ergebnis, dass wir verabredet haben, dass ich mich nach meiner Rückkehr nach Moskau bei ihr melden soll. Dann können wir uns ja mal treffen und noch etwas genauer über eine mögliche Zusammenarbeit reden bzw. zunächst Ideen austauschen, zumal Anfang November eine deutsche Bundestagdelegation just wegen dieses Programms nach Moskau kommen wird. Gesagt, getan. Als ich wieder in Moskau war, habe ich gleich eine Mail geschrieben, allerdings auf Englisch, da mein aktives Russisch ja noch etwas "einfach" ist. (Wir haben in Dresden halb Englisch, halb Russisch gesprochen.) Und dann zog die Zeit ins Land. Die Tage vergingen, ohne dass ich etwas von Frau Burataeva gehört habe. Und ich habe mich irgendwie auch nicht so recht getraut, dort noch einmal telefonisch nachzuhaken. Vielleicht war unser Gespräch auf dem Petersburger Dialog ja doch nicht so verbindlich gewesen.

Und am Dienstagabend dieser Woche bekam ich plötzlich einen Anruf, von Frau Burataeva persönlich. Sie fragte, ob ich nicht Lust hätte, am Donnerstag bei dem Gespräch mit der deutschen Bundestagsdelegation teilzunehmen. Ich war sehr erstaunt und sagte ihr auch, dass ich mit dem Kontakt angesichts der ausgebliebenen Antwort gar nicht mehr gerechnet hätte. Sie meinte, dass sie keine Email bekommen hätte, was sie am nächsten Tag nach einer Rückfrage in ihrem Büro dahingehend ergänzte, dass die Mail wohl angekommen, ihr aber nicht vorgelegt worden war. Der für die Bürokommunikation zuständige Mitarbeiter kann leider kein Englisch und hat daher meine Mail noch unbearbeitet im Posteingang liegen lassen.

Das Treffen am Donnerstag mit der deutschen Delegation war dann aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Es wurde vereinbart, dass im nächsten Frühjahr zehn junge Deutsche ein Stipendium für ein zunächst einmonatiges Praktikum bei der Duma bekommen, das ähnlich wie beim deutschen Programm sowohl für die Unterkunft, die Anreise als auch die hiesigen Lebenshaltungskosten aufkommt. Die weiteren und genauen Details müssen noch ausgearbeitet und konkretisiert werden. Eine Aufgabe, die - wie wir vereinbart haben - zum Teil auch in meinen Händen liegen. Aber die deutsche Seite hat ihre volle Unterstützung und Hilfe zugesagt, die von russischer Seite auch gern angenommen wurde, mit der gegenseitigen Bestätigung, dass man ja das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müsse. Also ich muss sagen, wenn alle Abgeordneten in der Duma so offen und kompetent sind wie Frau Burataewa, dann mache ich mir um die Demokratie in Russland keine Sorge.

Ich bin wirklich gespannt, wie das alles werden wird und freue mich schon riesig darauf, nach dem deutschen nun auch das russische Parlament etwas genauer kennenlernen zu dürfen. Eine kurze Führung durch die Duma habe ich am Donnerstag schon bekommen, aber hinter die Kulissen schauen zu können, wird ungleich spannender werden.

Fortsetzung folgt (hoffentlich).

Mehr zum IPP unter: http://bundestag.de/jugend/ausprog/ipp/index.html


Montag, Oktober 30, 2006

Der Winter ist da...

Pünktlich zur gestrigen Umstellung von der Sommer- zur Winterzeit, die uns auch hier in Moskau eine zusätzliche Stunde bescherrt hat, ist auch das dazugehörige Wetter eingetroffen. Gestern abend fielen die ersten Schneeflocken und heute morgen sieht das dann so aus, bei -2 Grad...

Dienstag, Oktober 24, 2006

Russischer Studienalltag

Der Alltag ist eingekehrt, sowohl im allgemeinen als auch im studienbesonderen. Daher gibt's zur Zeit auch wenig Neues hier aus Moskau. Aber irgendwie ist das auch schön. Jeden Tag die gleiche Runde, und am Ende kommt dann hoffentlich fließendes Russisch und ein guter Studienabschluß bei raus. Allerdings gibt's beides auch nicht umsonst. Haus- und sonstige Arbeiten gibt es viele und regelmäßig, sowohl für die inhaltlichen Studienfächer als auch den begleitenden Russischkurs.

Apropos Hausarbeiten. Heute habe ich mal wieder einen sehr krassen Unterschied zwischem dem deutschen und dem russischen Uni-System feststellen können. Es betrifft den Umgang mit den Studenten. Heute ging es darum, dass wohl einige Studenten für die Zwischenhausarbeiten, die wir zur letzten Stunde abzuliefern hatten, Plagiate abgegeben haben. Nun, das kommt ja auch in Deutschland vor. Aber die Leute wurden hier vor der gesamten Klasse namentlich benannt und sie mußten sich vor allen rechtfertigen! Das würde in Deutschland so wohl eher nicht vorkommen, sondern man würde die betreffenden Studenten zu dem Professor zitieren und das dann dort im Zwei-Augen-Gespräch klären, ggf. mit den notwendigen Konsequenzen. Ich weiß nicht, ob wir nicht in Deutschland manchmal zu "politisch korrekt" sind, aber die öffentliche Bloßstellung heute war schon etwas befremdlich.

An diesen Vorfall schloss sich dann das Verlesen der Namen der übrigen Kursteilnehmer mit den dazu gehörenden Noten an, allerdings ohne vorherige Befragung, ob alle damit einverstanden wären. Bei uns in Deutschland geht man zumeist den anonymen Weg über die Matrikelnummer, die man dann an irgendeinem Aushang mit den dazugehörigen Noten erfahren kann.

Ein weiterer Unterschied: knapp die Hälfte der Klasse hatte eine "Fünf", hier die beste Note bekommen, der Rest hatte zumeist eine gute oder schlechte "Vier" (bei uns also eine 2). Durchgefallen war keiner, natürlich bis auf die drei Plagierenden.

Und schließlich ein allerletzter Unterschied: die Korrektur unserer Hausarbeiten hat genau eine Woche gedauert. Letzte Woche abgegeben, diese Woche wiederbekommen. Das hab ich in Deutschland während meines gesamten Studiums nicht erlebt!

Dienstag, Oktober 17, 2006

Osama & Co - befremdliche russische Souvenirs

In Russland ist alles möglich. Was für Politik und Wirtschaft gilt, gilt erst recht für den privaten Lebensbereich. Es gibt nichts, was man nicht kaufen kann, anfangen bei den superteuren glitzernden Luxusprodukten aller Art über ganz verschiedene, nicht immer legale Dienstleistungsangebote bis hin zu solch profanen Dingen wie Souveniren.

Untenstehende Merkwürdigkeit habe ich auf meinem letzten Spaziergang über den alten Arbat, der Touristenmeile von Moskau, gefunden. Wer kauft sich denn bittschön so was?!

Montag, Oktober 16, 2006

Eine Stunde mit Putin und Merkel

Ja, ich habe Putin und Merkel getroffen. Oder besser gesagt gesehen, denn angesichts der Entfernung und der Kürze der Zeit war es eher ein "Begucken aus der Ferne".

Geschehen ist diese denkwürdige Begegnung auf dem "Petersburger Dialog", der letzte Woche in Dresden stattfand und auf dem ich die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Der "Petersburger Dialog" ist ein Forum für den (offenen und ggf. kritischen) Dialog zwischen den Zivilgesellschaften Russlands und Deutschlands, bestehend aus Vertretern aller Teilbereiche wie z.B. Wirtschaft, Medien, Kultur, Politik etc. In der Kanzlerschaft Schröders war der Dialog weniger offen und konstruktiv, sondern diente eher als Selbstbeweihräucherung der jeweiligen Regierungen, immer betonend wie positiv und perfekt die beiderseitigen Beziehungen doch seien.

Diese Lobhudelei hat sich mit der neuen deutschen Regierungschefin nun wieder in einen (potentiell) offenen und kritischen Dialog verwandelt, in dem zwar die positiven Aspekte der Partnerschaft durchaus angemerkt, die kritischen Punkte im Gegenzug jedoch genausowenig ausgespart werden. So waren zum Beispiel in diesem Jahr zum ersten Mal Vertreter regimekritischer russischer Nichtregierungsorgansationen (z.B. Memorial) eingeladen und auch sonst war die Atmosphäre von viel Offenheit sowie zum Teil auch herber Kritik, in beiderlei Richtung, geprägt . Das war für das jeweilige Gegenüber nicht immer ganz angenehm, wurde jedoch dennoch von fast allen als überwiegend konstruktiv bewertet.

Und wo waren da jetzt Putin und Merkel? Nun, die beiden Regierungschefs waren natürlich nicht die ganze Zeit dabei, sondern gaben sich (nur) auf der Abschlußkonferenz für eine Stunde die Ehre. Aber auch diese kurze Stippvisite war sehr aufschlußreich, weniger die jeweiligen Ansprachen, sondern eher das, war man in den Reden zumeist nicht mitbekommt - die Chemie, die drumherum herrschte. Und die war meines Erachtens schon recht positiv und entspannt. Putin und Merkel schienen sich ganz gut zu verstehen und recht häufig miteinander zu scherzen. Manchmal wurde auch Gorbatschow miteinbezogen. Es scheint doch recht hilfreich zu sein, wenn der Gegenüber die Sprache des anderen beherrscht und kein Dolmetscher von Nöten ist.

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Endlich wirklich angekommen

Nach einiger Zeit hier wieder ein Blog-Eintrag...

Nach einer Übergangszeit in einer Wohnung in der Nähe des MGIMO sind wir, Lisa und ich, letzten Sonntag nun endlich in unser hoffentlich wirklich endgültiges Domizil eingezogen. Es ist wieder im Zentrum, allerdings ein Stückchen weiter nerdlich, an der Ecke der Tverkaja-Jamskaja und dem Gartenring. Da an zwei der vielen Moskauer Hauptverkehrsstrassen gelegen, ist es bei geöffnetem Fenster etwas sehr laut, aber dafür ist unser Zimmer gross, hell und gemütlich.

Die Wohnung befindet sich in einem, ich würde sagen, sehr ursprünglichen Sowjetneubau mit 20 Etagen und ist ausgestattet wie in guten alten Zeiten. In unserem Zimmer haben wir genau die gleiche Schrankwand wie meine Eltern sie damals zur DDR-Zeiten auch hatten. Die scheint hier wirklich (noch) sehr verbreitet zu sein, denn als wir auf unserer Wohnungssuche ein paar andere Zimmer angeschaut haben, ware sie dort ebenfalls zu finden gewesen. Aber ansonsten hat die Wohnung alles, was man braucht: eine Zentralheizung, deren Regulierung leider nicht über einen Drehhahn funktioniert, sondern nur über das Öffnen und Schließen der Fenster; eine moderne Waschmaschine(!) und eine große Küche, in der man gemütlich kochen und sitzen kann.

Da leider die Ausstattung der Wohnung mit Geschirr, Bettdecken, Kissen und Bettwäsche recht spärlich, um nicht zu sagen kaum vorhanden war, waren wir letzten Samstag gleich erst mal bei Ikea. Natürlich hätte man die notwendigen Sachen auch woanders bekommen, aber selbst die Russen haben auf meine Frage, wo ich denn diese Dinge am einfachsten und billigsten bekommen könnte, geantwortet: bei Ikea. Als gesagt, getan und da Ikea ja, wie wir feststellen konnten, wirklich (mit ein paar lokalen Eigenheiten) überall absolut identisch ist, war diese Unternehmung dann auch relativ unproblematisch erledigt. Das größte Problem war wie immer, zu Ikea hinkommen, da auch hier als bevorzugte Lokalität der äußerste Stadtrand gewählt worden war. Aber mit der tollen Moskauer Metro und einem kostenlosen Ikeabus ab der letzten Station, ging auch das.

Da wir im 8. Stock wohnen und die Wohnung riesig-große Fenster in jedem Zimmer hat, , wache ich nun also jeden Morgen auf und kann gleich vom Bett aus erst mal eine Blick auf den Moskauer Himmel einfangen. Heute ist der leider grau und gibt ausgiebig Regen frei. Aber die vergangenen Tage waren im Gegensatz zu meiner Vermutung wettermäßig doch recht schön
gewesen: zumeist Sonnenschein und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Für Moskau um diese Jahreszeit kein sehr typisches Wetter, wie mir viele Russen immer wieder versichern.

Auch mit unserer Mitbewohnerin hatten wir großes Glück. Sie ist zwar keine Einheimische, sondern eine 32-jährige Italienerin. Aber da sie bereits seit vielen Jahren in Russland lebt und daher fließend russisch spricht, ein völlig "adäquater Ersatz" als erhoffter Russisch-Sprachpartner. Sie arbeitet hier als Juristin im Bereich der Menschenrechte.

Da bin ich nun also endlich wirklich in Moskau angekommen und harre sicher und warm der Dinge, die da noch kommen mögen. Mit einem festen, gemütlichen Heim ist eine der Grundbedingungen gegeben, damit auch ein langer, kalter Winter zu einem Wintermärchen werden kann. Nun, ich werde sehen und berichten.

Ach ja, zu guter Letzt noch zwei Fotos, eingefangen einmal beim Blick aus der Küche und einem aus unserem Zimmer.



Dienstag, September 19, 2006

Schwimmend im Sonnenschein

Nach der kalten Frühherbst-Periode scheint sich auch hier in Moskau noch einmal der Spätsommer mit aller Kraft durchsetzen zu wollen. Einige Tage mit strahlendem Sonnenschein und angehnehmen 15-18 Grad Celsius. Die Gunst der Stunde haben wir gestern nachmittag zu einer Bootsfahrt auf der Moskwa genutzt und uns vom Wasser aus einige wirklich schöne und weniger schöne Sehenswürdigkeiten angeschaut...












Georgien

Perfekte deutsche Planung und georgische Lebensart - das ist eine Mischung, die recht schwer zusammengeht, wie ich während meines Aufenthaltes in Georgien erfahren konnte.

Die Reise nach Georgien wurde organisiert von der Koerber-Stiftung und hatte zum Ziel, sich eingehend und vor Ort mit den Konflikten in Georgien zu beschäftigen. Konflikte gibt es in Georgien einige, aber die wichtigsten sind die zwei sogenannten "Frozen Conflicts" in Abchasien und Süd-Ossetien. Rund um diese zwei Konflikte waren neben Treffen mit lokalen Politikern verschiedener Couleur und Zuständigkeit und mit den involvierten internationalen Organisationen (OSCE, UN) auch Besichtigungen vor Ort geplant. Geplant war alles so schön, doch dann kam vieles anders. Die Agenda wurde tausend Mal umgeworfen, Termine hin- und her geschoben und am Ende war dann doch wieder alles anders.

Aber nichtsdestotrotz war diese Reise ein Erlebnis sondergleichen. Wir haben viel gesehen und auch die Dinge, die vielleicht nicht so pefekt liefen, gehören irgendwie dazu. In der Quintessenz kann ich wohl sagen: Tblissi ist eine sehr interesannte Stadt, die sich gerade auf dem Weg der Transformation befindet: von einer sehr zerfallen, in vielen Dingen nicht funktionsfähigen Stadt hin zu einer recht modernen europäisch-kaukasischen Metropole. Ähnlich sieht es mit Georgien selbst aus. Die gegenwärtige Regierung unter Präsident Saakaschwili scheint wirklich mit großem Eifer zu versuchen, Georgien von einem quasi-"failed state" hin zu einem modernen europäischen Land zu transformatieren, das in nächster Zukunft Mitglied der Nato wird und dann irgendwann, so hoffen die Georgier, auch der EU. Aber das ist noch ein weiter Weg und das Feld, was zu bestellen ist, noch weit und voller Steine.

Hier ein paar visuelle Eindrücke von der Reise...













Dienstag, September 12, 2006

Honig, VDNK & Marathon

Leider komme ich erst jetzt dazu, das Wochenende auf diesem Wege Revue passieren zu lassen. Es war viel los. Hier ein paar Eindrücke...

Als erste Station waren wir am Samstag auf dem Honigmarkt. Circa eine Million Stände mit allen Arten und Sorten von Honig. Hört sich für uns zwar etwas komisch an, scheint hier aber absolut der Event zu sein. Habe auch einige Sorten gekauft, sehr lecker und vor allem wegen der guten antiseptischen Wirkung ein wichtiger Helfer durch die lange Winterzeit. Das hat uns wohl jeder Russe bisher gefragt und ungefragt erzählt. Naja, habe mich ausreichend eingedeckt, um eine ganze Weile damit auszukommen.





Nach dem Honigmarkt gings gleich weiter zur VDNK, dem riesigen Ausstellungsgelände im Norden Moskaus, wo damals jede Sowjetrepublik einen Pavilion hatte, in dem sie ihre großartigen kommunistischen Errungenschaften ausgestellt haben. Heute sind dort ganz normale Geschäfte, in denen man von Möbeln, über Hitech bis hin zu Klamotten & Büchern alles kaufen kann. Es ist schon sehr bizarr anzusehen, die monumentale Sowjetarchitektur und die modernen bunten Verkaufsreklamen. Hinzu kam, dass der Himmel am Samstag so aussah, als stünde die Apokalypse unmittelbar bevor. Nun ja, für manch einen mag der heutige Anblick dieser Gebäude aus lang vergangenen Zeiten ähnliche Gefühle hervorrufen.





Am Sonntag war in Moskau der jährliche Friedens-Marathon. Lisa hatte sich, als sie davon am Donnerstag hörte, kurzerhand angemeldet. Sie läuft ja regelmäßig und dachte, warum nicht, das ist doch mal ein Erlebnis, ein Marathon in Moskau. Allerdings fand das ganze eher unter dem Motto statt: Stell Dir vor in der Stadt gibt es einen Marathon und keiner geht hin. So haben sich Lisa und die ca. anderen 1000 Läufer (in Berlin sind es jedes Jahr ca. 40.000) bestimmt gefühlt. Die Strecke ging in Schleifen immer an der Moskwa hin und her. Wenn man im Zentrum, zum Beispiel auf dem Roten Platz war, hat man davon überhaupt nichts mitbekommen, auch wenn beide Punkte nur ca. 1 km Luftlinie entfernt voneinander waren. Dementsprechend waren auch keine Zuschauer an der Strecke oder Bands oder was man sonst von den anderen Marathons kennt. Einsam zogen die Läufer ihre Runden in einem fast kontinuierlichen Nieselregen. Aber Lisa hat es geschafft und noch dazu in einer guten Zeit: 3 h 50 min! Und vor allem ging es ihr danach so gut, dass sie heute, zwei Tage nach dem Marathon, schon wieder eine Stunde laufen war. Unglaublich!





Da ich morgen bis Sonntag nach Georgien fliege, gibt es die nächsten Tage leider erst mal keinen weiteren Eintrag. Sobald ich zurück bin, werde ich jedoch berichten.

Donnerstag, September 07, 2006

Shopping auf Russisch

...war gestern abend angesagt. Mein Mitbewohner Kieran, inzwischen von seinem New Yorker Urlaub zurückgekehrt, hatte unmittelbar nach seiner Ankunft beschlossen, einen Großeinkauf zu machen. Allerdings spricht er kein Wort Russisch. Und trotzdem: irgendwie geht alles.

In diesem Fall mittels eines Taxifahrers, der Englisch konnte und uns zu einem billigen Großmarkt außerhalb Moskaus fahren sollte. Aus dringenden dienstlichen Gründen konnte Kieran (er arbeitet als Journalist bei "Russia Today", eine ähnliche Einrichtung wie die "Deutsche Welle") jedoch nicht mitkommen. Also haben Lisa und ich uns allein auf den Weg gemacht. Zusammen mit unserem Taxifahrer Tony, der wahrscheinlich mit vollem Namen Anatoli heißt. Da auf dem Weg raus aus der Stadt (der Supermarkt ist am ziemlichen Stadtrand) ein unglaublicher Stau war, konnten wir uns während der 1,5 Stunden mit Toni lange und ausgiebig unterhalten und viel über Toni und Russland erfahren. Tonis Englisch war extrem gut und wir erfuhren auch schnell warum. Toni war mal professioneller Eishockeyspieler gewesen, hatte für das russische Nationalteam gespielt und nach dem Zerfall der Sowjetunion für amerikanische, kanadische und europäische Clubs gespielt. Seine Lebensgeschichte mit all den Details würde Stunden dauern aufzuschreiben. Jetzt jedenfalls verdingt sich Toni als Taxifahrer, vor allem für die vielen Ausländer, die kein Wort Russisch sprechen und trotzdem so ihre Wege in Moskau erledigen müssen, wie eben Einkaufen, zum Flughafen fahren, aber auch abends ausgehen. Durch seine langen und vielen Auslandsaufenthalte kann Toni nicht nur das in dieser Hinsicht unbedingt erforderliche Englisch, sondern weiß vor allem auch, was man als Ausländer in der Fremde braucht.

Am "Ausflugsziel" angekommen, standen wir vor einem unglaublich riesigen Megastore. So ähnlich wie die Metro-Märkte, die es auch hier gibt, aber es war, wie wir bald rausfanden, ein normaler Supermarkt (normale Packungsgrößen), mit unglaublicher Auswahl und sehr günstigen Preisen. Während Lisa und ich unseren Weg durch all die Regale machten, wartete Toni in einem Cafe am Eingang und half uns dann mit den tausend Tüten an der Kasse, denn vor allem die Liste von Kieran war extrem lang gewesen.

Der Rückweg dauerte dann nur ca. 25 min, aber auf der Gegenfahrbahn war immer noch ein unendlich langer Stau. Toni erzählte uns, dass es abends ca. 1,5 - 3 Stunden dauert, um aus der Stadt zu kommen. Und das wollen abends nicht wenige, da sich in den 90er Jahren viele Moskauer ein Haus am Stadtrand gekauft haben. Sie wollten raus aus der riesigen, hektischen Stadt. Allerdings haben inzwischen auch viele wieder (mit Verlust) ihr Haus im Grünen verkauft, da sich keine Lust haben, jeden Tag ingesamt ca. 5 Stunden im Auto zu verbringen. Denn morgens spielt sich natürlich der gleiche Stau in Richtung Innenstadt ab. Dafür sind inzwischen Preise für Wohnungen innerhalb Moskaus, sowohl Kauf als auch Miete, explodiert. Kein Wunder also, dass in einigen Indexen Moskau als die teuerste Stadt geführt wird.

Keine guten Aussichten für unsere eigene Wohnungssuche, die wir endlich mal intensiv angehen müssen. Ich hoffe allerdings, vielleicht was über Freunde von Freunden von Freunden zu finden. Leider ist das Konzept der Wohngemeinschaft in Russland noch nicht so weit verbreitet, aber zumindest gibt es schon eine Webseite, wo man nach Wohnungen suchen kann. Also greife ich in guter Hoffnung wieder mal auf die bereits bekannte alte russische Weisheit zurück...

Dienstag, September 05, 2006

Studieren in Russland

... ist schon ein wenig anders. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob das Anderssein auf Russland zurückzuführen ist oder doch eher auf das MGIMO selbst. Wahrscheinlich ist das MGIMO so eine Sache für sich, selbst in Russland.

Da sind zum einen die Studenten und ihre Kleiderordnung: 16-20-jährige Männer oder doch eher Jünglinge, die in zumeist in etwas zu großen Armani oder sonstigen Nobelmarken-Anzügen in die Vorlesung kommen bzw. das weibliche Pendant dazu, bei welchen sehr sehr kurze Miniröcke oder enge Hosen und Pfennigabsätze vorherrschend sind. Alles in allem ein im Vergleich zu deutschen Unis ungewohnter Anblick.

Was die Inhalte der Vorlesungen bzw. Seminare betrifft, so scheint es hier doch sehr große Unterschiede zu geben. Bei den 3 Veranstaltungen, die ich bisher hatte, konnte ich eine sehr große Spannbreite feststellen. Das fing an bei der wohl eher klassischen Frontalvariante eines ca. 45-jährigen Russen alter Schule, der die ganze Stunde selbst und ohne Punkt und Komma redete und dann für seine Prüfung wie üblich vorher die 15 bis 20 relevanten Prüfungsfragen ausgeben wird (inklusive der erwarteten Antworten), die dann von den Studenten auswendig zu lernen und in der Prüfung schriftlich wiederzugeben sind. Das andere Extrem war ein wie ich fand sehr offenes Seminar einer Professorin im gleichen Alter, die jedoch gleich zu Anfang ankündigte, dass sie für ihre Klausur vorher keine fertigen Fragen ausgeben wird und in ihren Veranstaltungen vor allem eines erwarte, dass die Studenten selbst denken. Die dritte Vorlesung war so ein Zwischending von einer recht offenen ca. 25-jährigen Dozentin, die Methodik bei uns unterrichtet, allerdings in etwas anderer Hinsicht, als ich es aus Deutschland kenne. Aber zumindest schien auch sie zu erwarten, dass die Studenten nicht nur vorgefertigte Meinungen wiedergeben, sondern selbst denken und entsprechend ihre Arbeiten verfassen.

Die während und am Ende des Semesters abzuliefernden Arbeiten. Das ist ein Punkt, der mich heute zugegebener Weise ziemlich erschreckt hat, denn der Umfang ist enorm. In den zwei eher als Seminar denn als Vorlesung gestalteten Veranstaltungen müssen jeweils wir 2 bis 4 Referate halten, drei schriftliche Arbeiten (Analysen, Buchrezensionen u.ä.) von jeweils ca 2-5 Seiten verfassen und am Ende eine Abschlußarbeit von 1,5 Stunden schreiben. Wenn das in den anderen Veranstaltungen ähnlich ist, wird das ein kaum zu bewältigender Berg von Arbeit, zumal wir für jede Stunde auch noch vorbereitende Lektüre (ca. 10 und 30 Seiten pro Fach) zu lesen haben. Zur Zeit brauche ich noch ca. eine Stunde Lesezeit pro Seite (inkl. Wörter-im Wörterbuch-Nachschlagen). Ich versuche besser gar nicht erst auszurechnen, was das in der Gesamtheit ergibt. Ob und wann ich dann zum Schlafen komme bzw. Moskau und Umgebung erkunden kann, bleibt abzuwarten. Da hilft dann wieder mal nur noch der Rückgriff auf die alte russische Weiheit: "Все будет" ("Alles wird").

Montag, September 04, 2006

Die erste Woche ist vorbei...

... und damit auch der Russisch-Intensiv-Kurs. Vier Stunden Russisch jeden Tag, einschließlich Samstag. Das hat zwar eine gute Grundlage gelegt, allerdings sehe ich mich immer noch nicht in der Lage, ab morgen Vorlesungen auf Russisch zu hören. Naja, mal schauen.

Was ist ansonsten seit Freitag letzter Woche passiert? Viel und doch nicht viel. Zum einen hab ich seit Freitag kein Internet mehr in der Wohnung, da man hier offensichtlich die Rechnung monatlich bar bezahlt - Freitag war der 1. September und ab früh morgens 8 Uhr dann plötzlich kein Internet mehr. Und da mein Mitbewohner erst heute abend aus New York wiederkommt, gibts dann auch erst heute abend wieder Internet in der Wohnung. Diese Zeilen schreibe ich gerade über einen Rechner an der Uni.
Zum anderen wurde am Samstag ganz groß der 1147. Geburtstag Moskaus gefeiert, mit ziemlich viel lautem und buntem Brimborium in der Innenstadt. Alte Folklore und moderner russischer Rock und Rap, beides ein klein wenig gewöhnungsbedürftig.
Zudem waren ich mit einigen Leuten am Samstag zum ersten Mal in einem Moskauer Club, allerdings in einem der eher entspannteren Sorte - ohne Popup-Styling. War eher so wie das, was man bei uns als nette Kneipe um die Ecke kennt.
Und last but not least, seit gestern regnet es (fast) die ganze Zeit in Strömen, was dazu führt, dass die Straßen zeitweise total überflutet sind und die Autos eher schwimmen denn fahren. Wie ich mir hab sagen lassen, kann das jetzt so bis Oktober weitergehen, wo es dann zumeist ohne großen Übergang in die Schneevariante überwechselt, bgeleitet von zilemlich frostigen Temperaturen, was dann wiederum bis ca. März nächsten Jahres anhält. Schöne Aussichten. :-) Bei der Vorstellung kann man dann irgendwie auch besser verstehen, warum die Russen gelegentlich zur Wodka-Flasche greifen und einen Hang zur apathischen Melancholie haben.

Donnerstag, August 31, 2006

Das Studium fängt an...

Heute hatte wir, meine Kommilitonen und ich, eine erste Einführungsveranstaltung und mit dem morgigen Tage, dem 1. September, fängt dann das Studium am MGIMO offiziell an.

Das MGIMO: Nunmehr ausgestattet mit einer Magnetkarte zum Betreten des Gebäudes, habe ich mich inzwischen so weit orientieren können, dass ich mich kaum noch in dem sehr verschachtelten und weitläufigen Gebäude/Gelände verlaufe. Die wichtigsten Räume sind mir bekannt und der kürzeste Weg dorthin zumeist auch. Meinen Studentenausweis habe ich zwar noch nicht und auch die Registrierung im Ausländerbüro scheint ein recht komplizierter Prozess zu sein, aber die dazu notwendigen Anträge und sonstigen Handlungen sind auf den Weg gebracht. Jetzt heißt es nur noch auf das Ergebnis warten. Wer sich das MGIMO näher anschauen will, findet unter www.mgimo.ru einige Informationen (auf Englisch und Russisch) .

Meine Kommilitonen: Das sind ca. 30-35 weitere Studenten aus Russland, den ehemaligen russischen Staaten und auch einige Ausländer wie Bastian und ich. Wir gehören zu dem ersten 1. Semester des Masterstudiengangs "Internationale Beziehungen" (Weltpolitik). Die meisten der russischen Studenten haben bereits einen Bachelor-Abschluß (Voraussetzung für ein Master-Studium) vom MGIMO in "Internationaler Politik".

Unser Stundenplan: Dieser umfaßt neben einem obligatorischen Fremdsprachenunterricht (den es leider bei uns in Deutschland nicht gibt) verschiedene Pflicht- und Wahlkurse. Dazu gehören zum Beispiel solche Kurse wie "Akteure der Weltpolitik", "Regionale Aspekte der internationalen Beziehungen", "Analyse zwischenstaatlicher Situationen" oder "Globale Sicherheit". Pro Tag werde ich wahrscheinlich so 2-3 Veranstaltungen haben. Das hört sich zwar nicht so viel an, aber entsprechend meiner derzeitigen Russischkenntnisse wird die jeweilige Vor- und Nachbereitung bestimmt einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Sprache: Die Veranstaltungen werden (natürlich) alle auf Russisch sein, ein Umstand, der mir derzeit noch einige Sorgen bereitet. Aber mit dem begleitenden Russisch-Unterricht und vielleicht der Hilfe meiner Kommilitonen wird es schon irgendwie gehen. Dabei hoffe ich zu Anfang vor allem auf die Hilfe der 3 Studenten bzw. Studentinnen, die auch in dem deutsch-russischen Doppelmaster sind. Ich habe zwei der Studentinnen heute bereits kennengelernt. Sie sprechen schon sehr gut Deutsch und haben gleich angeboten, uns bei den Kursen zu helfen.

Na, mal schauen, wie sich alles entwickeln wird. Wie sagen die Russen immer: "Все будет".

Dienstag, August 29, 2006

Wie repariert man eine gesprungene Pflastersteinplatte...

... ohne diese durch eine neue zu ersetzen?

Man nehme fünf in identische orangefarbene Arbeitsanzüge gekleidete russische Arbeiter und postiere sie wohlsortiert und gleichmäßig um die betreffende Pflastersteinplatte mit dem Sprung. Dann lasse man diese Arbeiter ca. 5-10 Minuten darüber diskutieren, wie man es am besten anstelle, den Stein mittels der mitgeführten Schaufel und einer Mauererkelle anzuheben. Dann lasse man den ersten Arbeiter einen ersten Versuch starten, um die Schaufel dann an den nächsten Arbeiter zu übergeben, der ebenso erfolglos enden wird. Schließlich nehme man die Schaufel UND die Kelle und hebe damit gleichzeitig die Platte von verschiedenen Seiten an. Derweil lasse man die anderen drei anderen Arbeiter zuschauen. Anschließend enferne man durch einen anderen der Arbeiter sämtlichen unter dem Stein befindlichen Sand, schaufele ihn in die mitgebrachte Schubkarre und lege sodann die soeben angehobenen verschiedenen großen Teile der Steinplatte wieder an den selben Ort. Jedoch: nun fülle man sowohl den Sprung als auch die Ränder der Steinplatte mit NEUEM Sand und voila: Die Platte ist repariert!

Mit solchen interessanten Beobachtungen läßt sich eine lange Wartezeit sogar mit Wissenszuwachs vertreiben... :-)



















Folgend die notwendigen Erläuterungen. Das scheint es recht verbreitet zu geben...

Montag, August 28, 2006

Warten, warten und nochmals warten

Warten, warten und nochmals warten - das war heute das Gebot des Tages. Und scheint auch sonst eine der Haupttugenden zu sein, die man sich in Russland aneignen sollte. Denn "Alles wird" IRGENDWANN werden, allerdings meistens auch nur, wenn man dreimal nachhakt.

Und so ging es heute von Pontius zu Pilatus und wieder zurück und wieder hin. Ziel war es, uns an der Uni und im Ausländeramt zu registieren. Dazu mußten wir erst eine Unterschrift von irgendjemand Wichtigem holen, mit dieser gingen wir dann zur nächsten Person, die auch seine Unterschrift darunter setzte und damit wieder zur nächsten und so weiter. Allerdings war das Erlangen des nächsten Schrittes jeweils mit einer zumeist längeren Warterei verbunden. Entweder weil die entscheidende Person erst noch ihren/seinen Tee fertig trinken musste oder vor dem betreffenden Raum bereits eine lange Schlange von russischen Mitstudierenden wartete.

Morgen geht es damit weiter, wobei wir (Bastian, mein Mitstreiter in dem Masterprogramm, und ich) dann am Ende des Tages hoffentlich nicht nur unsere Eingangsmagnetkarte in den Händen halten, sondern auch unseren Studentenausweis. Erstere ist notwendig zum Betreten des MGIMO-Gebäudes, in das zu gelangen für Fremde ähnlich umständlich ist wie in den Bundestag oder in das Auswärtige Amt. Das MGIMO scheint - aus welchen Gründen auch immer - eine Hochsicherheitszone zu sein.

Neben der vielen Warterei hatten wir heute allerdings auch unseren Einstufungstest für den studienbegleitenden Russischunterricht. Diese Woche werden wir 4 Stunden pro Tag haben. Ziemlich viel, aber auch sehr notwendig, denn mein Russisch ist doch sehr sehr eingerostet. Ich sitze bereits seit zwei Stunden an den vorbereitenden Hausaufgaben für den morgigen Unterricht und es werden bestimmt noch zwei bis drei weitere werden...

Ein Sonntagsspaziergang

Gestern war ich mit Micha auf einer ersten Erkundungstour. Nicht gleich volles Programm, sondern erstmal nur einen ersten Eindruck gewinnen und "ankommen". Wobei der wichtigste Ort, der Rote Platz, natürlich nicht fehlen durfte.

Hier ein paar Eindrücke...






Sonntag, August 27, 2006

Angekommen in Moskau

Nach einem sehr sehr langen Vorbereitungs-Sachenwegbring-Aufräum- letzteDingeorganisieren-Marathon in Berlin, den ich ohne die Hilfe meiner Freunde & Familie in gar keinem Falle geschafft hätte, sitze ich nun in Moskau am Frühstückstisch, trinke einen Kaffee und beginne (dank der modernen Wireless-Lan Technik, die auch in Russland bereits Einzug gehalten hat, ganz unkompliziert) mein Moskauer Blogbuch.

Da bin ich also: in Moskau. Eine Stadt, die sich bereits jetzt von ganz unterschiedlichen Seiten präsentiert hat.

Alles fing sehr gut an. Mein Flieger kam bei strahlendem Sonnenschein auf dem Flughafen an. Um nicht gleich in der russischen Metropole verloren zu gehen, hatte mir Micha, ein Freund der gerade zufällig auch in Moskau ist, versprochen, mich am Flughafen abzuholen, zusammen mit Sergej. Versprochen, gehalten. Sergej, der Freund von Micha, ist Armenier, fährt sehr zügig einen sehr großen schwarzen Subaru-Landrover, ist sehr gastfreundlich und auch ein bisschen unheimlich. Woher er das Geld hat, um sich ein so teures Auto zu kaufen, weiß auch Micha nicht wirklich, Sergej fährt und parkt, wie er grad mag (und zahlt dann halt den Strafzettel), von Beruf ist er "Sohn" eines Keramikfabrikbesitzers und studiert hat er Jura. Alles in allem sehr nett, aber nicht so leicht zu durchschauen. Aber was für mich wichtig war, er ist sehr gastfreundlich, höflich und hilfsbereit.

Das war mein großes Glück, denn als wir nach einer knapp halbstündigen Fahrt an der Haustür zu meiner Untermietwohnung für die nächsten Wochen ankamen, war diese verschlossen und blieb es zunächst auch. Alle Klingel- und sonstigen Kontaktversuche der dazugehörigen Wohnungsinhaber waren erfolglos. Wäre ich, wie mein Kommilitone es tat, mit dem MGIMO-Fahrer, der uns am Flughafen auch abgeholt hat, wie ein alter KGB-Typ aussah und jede Frage oder Aussage unsererseits nur mit einem Kopfnicken beantwortet hat, mitgefahren, dann wäre ich jetzt verloren gewesen. Der hätte meine Sachen bestimmt vor die Haustür gestellt und wäre wieder weggefahren.

Dann hätte ich da gestanden, mitten in Moskau, im einem Hinterhof der Tverskaja, der Pracht- und Einkaufsmeile schlechthin in Moskau, einsam und verlassen. Aber nein, denn zum Glück war ich ja mit Micha und Sergej mitgefahren. Diese luden mich kurzer Hand zum Essen ein, was ich gern und dankend annahm, da mein Magen seit dem Frühstück (es war inzwischen 16.30 Uhr Ortszeit) auch noch nichts bekommen hatte. Also fuhren wir zu einem sehr guten kaukasischen Restaurant, wo es dann Schaschlik, Salat und sonstige sehr leckere, mir bis dahin unbekannt gewesene Gerichte gab. Während dessen hat Sergej weiter versucht, die Telefonnummer der Wohnungsinhaber zu kontaktieren und war schließlich erfolgreich. Also fuhren wir zu der Wohnung, deren Tür sich dieses Mal glücklicherweise auch auftrat.

Ich befand mich in einer recht gut erhaltenen Wohnung, Stil 70er Jahre, mit 3 Zimmern, einer Küche, einem Bad und einer Toilette. "Here are the keys, sorry, I got to go", mit diesen Worten bekam ich von dem englischsprachigen Typ, der mir die Tür aufgemacht hatte, die Schlüssel in die Hand gedrückt und wollte auch gleich wieder gehen. Wie sich rausstellte, war das nur ein Freund von den Wohnungsinhabern, der selbst eigentlich ganz woanders wohnt und nur auf mich in der Wohnung gewartet hatte. Und sich zwischendurch mal was zu Essen geholt hatte. Dummerweise gerade zu der Zeit , als wir beim ersten Mal angekommen waren.

Da war ich nun also, angekommen in Moskau. Meiner Heimat für die nächsten sieben Monate. Fürs Erste sicher und wohlbehalten, dank der Hilfe von Micha und Sergej. Die dann auch gleich darauf bestanden, mit mir noch die weiteren überlebenswichtigen Sachen besorgen zu gehen. Einige Lebensmittel (das Wochenende stand bevor) und eine russische Handynummer. Gesagt, getan. Wir fuhren zu einem Handy-Laden, den es hier auch an jeder Ecke gibt, und rannten so schnell wir konnten hinein. Denn es hatte inzwischen zu regnen angefangen. Aber nicht so ein bisschen Nieselregen, nein es regnete ganze Seen. Der kurze im Sprint zurückgelegte Weg von 5 Metern führte dazu, das ich fast komplett nass war. Aber im Laden waren wir erfolgreich. Ich habe jetzt eine russische Handynummer: 007-919-770-0207, über die ich nun auch hier in Moskau jederzeit erreichbar bin. Gleich darauf ging es noch in einen ziemlich teuren, da fast ausschließlich mit "West-Produkten" ausgestatteten Supermarkt (im Stadtzentrum ist es ähnlich wie bei uns relativ schwer, bezahlbare Sachen zu bekommen). Aber die für den Anfang notwendigen Dinge konnte ich erstehen, so dass ich nun in aller Ruhe frühstücken und meine erste Erlebnisse "zu Papier" bringen kann.

Allerdings muss ich auch schon wieder Schluß machen, da ich gleich mit Micha an den Füßen Puschkins verabredet bin. Wir wollen die Stadt ein wenig erkunden. Ich bin schon sehr gespannt. Vor allem, ob sich viel geändert hat im Vergleich zu 1996, als ich schon einmal für zwei Monate in Moskau war.

Ich werde weiter so oft wie möglich berichten und würde mich über Rückmeldungen sehr freuen. Meine Mailadresse ist noch dieselbe (b.satory@gmail.com) und meine russische Handynummer ist ja jetzt auch bekannt.

Samstag, August 19, 2006

Noch in der Heimat

Im schönen Monat Auguste war's,
der Sommer sang noch seine Weisen,
die Sonne schien hell und wunderbar warm,
da wollt ich nach Moskau reisen.

Ja, das will ich, nach Moskau reisen. Um dort ein Semester lang zu studieren, von September bis einschließlich nächsten März. Das heißt, ich bin in Moskau den ganzen Winter über.

Ob es allerdings wirklich ein Wintermärchen werden wird, bleibt abzuwarten. Dieser Blog wird regelmäßig Nachricht davon geben, wie der aktuelle Stand der Dinge ist; er wird berichten von schönen und hoffentlich nicht vielen nicht so schönen Erlebnissen aus der russischen Hauptstadt.