Als erste Station waren wir am Samstag auf dem Honigmarkt. Circa eine Million Stände mit allen Arten und Sorten von Honig. Hört sich für uns zwar etwas komisch an, scheint hier aber absolut der Event zu sein. Habe auch einige Sorten gekauft, sehr lecker und vor allem wegen der guten antiseptischen Wirkung ein wichtiger Helfer durch die lange Winterzeit. Das hat uns wohl jeder Russe bisher gefragt und ungefragt erzählt. Naja, habe mich ausreichend eingedeckt, um eine ganze Weile damit auszukommen.


Nach dem Honigmarkt gings gleich weiter zur VDNK, dem riesigen Ausstellungsgelände im Norden Moskaus, wo damals jede Sowjetrepublik einen Pavilion hatte, in dem sie ihre großartigen kommunistischen Errungenschaften ausgestellt haben. Heute sind dort ganz normale Geschäfte, in denen man von Möbeln, über Hitech bis hin zu Klamotten & Büchern alles kaufen kann. Es ist schon sehr bizarr anzusehen, die monumentale Sowjetarchitektur und die modernen bunten Verkaufsreklamen. Hinzu kam, dass der Himmel am Samstag so aussah, als stünde die Apokalypse unmittelbar bevor. Nun ja, für manch einen mag der heutige Anblick dieser Gebäude aus lang vergangenen Zeiten ähnliche Gefühle hervorrufen.


Am Sonntag war in Moskau der jährliche Friedens-Marathon. Lisa hatte sich, als sie davon am Donnerstag hörte, kurzerhand angemeldet. Sie läuft ja regelmäßig und dachte, warum nicht, das ist doch mal ein Erlebnis, ein Marathon in Moskau. Allerdings fand das ganze eher unter dem Motto statt: Stell Dir vor in der Stadt gibt es einen Marathon und keiner geht hin. So haben sich Lisa und die ca. anderen 1000 Läufer (in Berlin sind es jedes Jahr ca. 40.000) bestimmt gefühlt. Die Strecke ging in Schleifen immer an der Moskwa hin und her. Wenn man im Zentrum, zum Beispiel auf dem Roten Platz war, hat man davon überhaupt nichts mitbekommen, auch wenn beide Punkte nur ca. 1 km Luftlinie entfernt voneinander waren. Dementsprechend waren auch keine Zuschauer an der Strecke oder Bands oder was man sonst von den anderen Marathons kennt. Einsam zogen die Läufer ihre Runden in einem fast kontinuierlichen Nieselregen. Aber Lisa hat es geschafft und noch dazu in einer guten Zeit: 3 h 50 min! Und vor allem ging es ihr danach so gut, dass sie heute, zwei Tage nach dem Marathon, schon wieder eine Stunde laufen war. Unglaublich!


Da ich morgen bis Sonntag nach Georgien fliege, gibt es die nächsten Tage leider erst mal keinen weiteren Eintrag. Sobald ich zurück bin, werde ich jedoch berichten.
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