Montag, Dezember 25, 2006

C Рождеством! (Frohe Weihnachten!)

Ich wünsche Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!

Ich habe ein solches, wenn auch dieses Jahr ganz anders. Russisch eben. Aber wichtig ist ja nicht unbedingt, dass man Weihnachten jeder Jahr nach genau dem gleichen Muster feiert, sondern dass Ruhe und Besinnung einkehren. Und diese Attribute lassen sich auch hier Moskau finden, trotz aller Hektik und trotz der Tatsache, dass hier wegen der Vorzeitigkeit unseres Festes eigentlich noch so gar keine Weihnachtsstimmung herrscht.

Für mich gehört zu Weihnachten auch eine Weihnachtsmesse, angesichts der Örtlichkeit haben wir uns für eine russisch-orthodoxe entschieden. Russisch-orthodoxe Kirchen sind eine Pracht. Alle Wände sind mit Ikonen und sonstigen Heiligenbildern ausgeschmückt, ohne dass man jedoch das Gefühl hat, es würde einen erschlagen. Die morgendliche Messe war sehr schön, wenn auch ziemlich anders. Während des drei- oder sogar noch mehrstündigen Gottesdienstes ist ein ständiges Kommen und Gehen. Einige, vor allem alte Frauen, bleiben oft die ganze Zeit, andere kommen, gesellen sich zu den anderen stehenden Zuhörern, lauschen den Priestern, verrichten ihre Gebete und gehen wieder. Auch wenn ich nichts von dem Gesagten verstanden habe und es eigentlich auch kein besonderer Gottesdienst war, so kam doch das Gefühl von Weihnachten auf. Etwas ungewohnt war für mich nur, dass die Priester nicht mit und zu den Menschen gesprochen haben, sondern die ganze Zeit, während der wir da waren, in Richtung Altar gebetet haben und daher den Gläubigen ständig den Rücken zugewandt hatten.

Nach dem Gottestdienst haben wir uns dann noch Sergej Posad, eine mittelalterliche Klosteranlage etwas außerhalb von Moskau, angeschaut. Und da es inzwischen endlich etwas geschneit hat, war da endlich auch ein Stückchen des gesuchten russischen Wintermärchens. Leider war die dortige Hauptkirche gesperrt, es fand dort gerade eine Teufelsaustreibung statt. So jedenfalls haben es uns unsere russischen Freunde, die mit uns gefahren waren, erklärt.

Einen krönenden Abschluss fand der Weihnachtstag mit dem Besuch des Bolschoi-Theaters. Wir hatten Karten für "Eugen Onegin", eine der großen russischen Opern, Text von Puschkin, Musik von Tschaikowski. Es war ein Genuss. Eine sehr klassische Aufführung, mit Kostümen und Bühnenbild wie bei der Uraufführung vor 125 Jahren und einem Ensemble, das nicht zu Unrecht Weltruhm genießt.

Alles in allem: Ein wunderschönes Weihnachtsfest, besinnlich und ohne Stress, und das trotz oder vielleicht gerade wegen der Andersartigkeit.

Und heute abend gegen 23 Uhr gehts dann mit dem Nachtbus raus in die russische Provinz, um dort für drei Tage zu leben, wie es ein Großteil der Russen tatsächlich (immer noch) tut. Denn auch die Russen versichern immer wieder: Moskau und Petersburg - das ist nicht Russland!

Berichterstattung folgt.





Donnerstag, Dezember 21, 2006

Ich lebe noch!

Nachdem mich einige besorgte, polonisierte Mailanfragen erreicht haben, hier nun die offizielle Bestätigung: Ich lebe noch und bin soweit gesund! Zum Schweigen haben mich keine Pülverchen gebracht, sondern einfach das riesige Arbeitspensum hier an der Uni. Hier war die letzten Wochen hart arbeiten angesagt. Eine Hausarbeit nach der anderen war zu schreiben, ca. 3 bis 4 pro Woche, hinzu kamen noch jeweils 1 bis 2 Klausuren. Also mehr als reichlich zu tun; da blieb keine Zeit und Muße für den Blog. Vieles war im Vergleich zum deutschen Studium nicht wirklich schwer, aber einfach unglaublich viel. Bin ganz schön auf dem Zahnfleisch gegangen. Totmüde und ausgelaugt bin ich, freue mich auf die Weihnachtsferien. Eigentlich fangen diese hier erst Neujahr an, da ja Weihnachten hier erst am 6. Januar gefeiert wird. Aber wir "westlichen Ausländer" haben schon nächste Woche freibekommen.

Weihnachten geht es dieses Jahr allerdings nicht heim, sondern auf ein russisches Dorf. Lisa, ein paar Freunde und ich fahren für einige Tage dahin, wo es angeblich noch so richtig russisch ist. In ein Dorf ca. 500 km von Moskau entfernt, ohne fließend Wasser, aber immerhin mit Strom. Dort werden wir auf einem Bauernhof wohnen, wo noch alles selbst gemacht wird. Die hofeigenen Kühe geben frische Milche, die Eier geben die Hühner, Brot wird selbst gebacken. Dazu gibt es dann Eingemachtes vom Sommer, Marmelade, Wurst usw. Tagsüber können wir durch den Schnee wandern, auf dem großen Schlitten fahren oder, wenn wir durchgefroren sind, in der Banja (Sauna) wieder aufwärmen. Und einen Weihnachtsbaum gibt's natürlich auch, frisch im Wald geschlagen. Das wird ein erholsamer Gegensatz zu dem ganzen Moskauer Stress in den letzten Wochen und Monaten.

Und Neujahr sind wir dann wieder hier in Moskau. Sylvester auf dem Roten Platz!

Tja, mit dem Studium in Moskau war's das dann auch fast schon wieder. Anfang Januar geht es kurz in die deutsche Heimat, dann kommen hier die großen Prüfungen, insgesamt vier. Im Februar und März wartet dann auf mich das Praktikum in der Duma. Und am 1. April geht es schon wieder heim.

Soweit die Planungen, aber ein bisschen Zeit bleibt ja zum Glück noch. Und ab jetzt werde ich hoffentlich auch wieder häufiger zum Blog-Schreiben kommen.

Und als Einstimmung auf die Feiertage gibts hier vorab schon mal die herzlichsten Wünsche aus der Ferne (eine Übersetzung wird auf Wunsch nachgeliefert):

С Новым счастьем!
С яркой ёлкой на снегу!
Я вам всем желаю счастья
В наступающем году!!!

Mehr in Kürze! :-)