Dienstag, November 21, 2006

Die strenggeheimen Kreml-Protokolle

Wer vor kurzem den "Spiegel" No. 46 gelesen hat, dem ist bestimmt noch die Titelstory in Erinnerung - betreffend die Kreml-Protokolle aus den Jahren 1985 bis 1991. Also die ganz geheimen Aufzeichnungen aus dem Inneren der Sowjetmacht während der Zeit Gorbatschows.

Auch ich habe diese ungemein spannende Titelgeschichte mit größtem Interesse gelesen, teuer habe ich zudem dafür bezahlt. Um in Moskau nicht ganz den Anschluß an die Geschehnisse in Deutschland zu verpassen, gönne ich mir auch hier den "Spiegel" jede Woche für 350 Rubel, umgerechnet gute 10 Euro (!).

Angeregt von dem spannenden Artikel habe ich mich denn auch gleich auf den Weg zu einem der größten der in Moskau wirklich unzähligen Buchläden gemacht, um dort das Buch "Im Politbüro des ZK des KPdSU", auf das sich der Spiegel-Artikel bezog, zu erwerben. Nachdem ich der Verkäuerin verständlich gemacht hatte, was ich denn möchte, meinte sie nur kurz angebunden: Mal schauen, ob noch ein Exemplar da ist, ich glaub ja nicht. Aber ich hatte Glück und hielt in meinen Händen doch tatsächlich das letzte vorhandene Exemplar dieses 784-seitigen Werkes, das erst vor zwei Wochen erschienen und offensichtlich doch schon vergriffen ist. Herausgegeben wurde das Buch von der Gorbatschow-Stiftung und enthält die Aufzeichnungen dreier enger Vertrauter Gorbatschows, die ab 1985 festgehalten haben, was damals in den Sitzungen des sagenumwobenen und strenggeheimen Zirkel so gesprochen und gedacht wurde.

Ob ich mir diesen dicken Schmöker auch wirklich kaufen sollte, dessen war mir allerdings nicht so sicher. Zum einen ist mein Russisch ja noch in den Anfängen, zum anderen hat mich der Preis von 669 Rubel (ca. 19 Euro) etwas abgeschreckt. In dem Spiegel-Artikel war noch ein Preis von 555 Rubel vermerkt, der, wie ich dann sah, unter dem aktuellen Preis tatsächlich auch noch verzeichnet war. Angesichts der großen Nachfrage hatte man aber den Preis wohl einfach erhöht, eine Buchpreisbindung scheint es in Russland also nicht zu geben. Aber da mich das Thema wirklich interessiert, mein Russisch hoffentlich mit der Zeit besser wird und zudem völlig unklar ist, ob und wenn ja wann es eine deutsche Übersetzung des Buches geben wird, habe ich mich doch zum Erwerb entschlossen.

Und so werde ich nun mittels dieser Lektüre versuchen, tiefer in das damalige Denken der Sowjetmacht vorzudringen und so ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum die Geschichte so verlaufen ist, wie wir sie erlebt haben - falls neben meinen vielen Arbeiten, die ich für die Uni schreiben muss, überhaupt noch Zeit zum Lesen übrigbleibt.

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