Der Alltag ist eingekehrt, sowohl im allgemeinen als auch im studienbesonderen. Daher gibt's zur Zeit auch wenig Neues hier aus Moskau. Aber irgendwie ist das auch schön. Jeden Tag die gleiche Runde, und am Ende kommt dann hoffentlich fließendes Russisch und ein guter Studienabschluß bei raus. Allerdings gibt's beides auch nicht umsonst. Haus- und sonstige Arbeiten gibt es viele und regelmäßig, sowohl für die inhaltlichen Studienfächer als auch den begleitenden Russischkurs.
Apropos Hausarbeiten. Heute habe ich mal wieder einen sehr krassen Unterschied zwischem dem deutschen und dem russischen Uni-System feststellen können. Es betrifft den Umgang mit den Studenten. Heute ging es darum, dass wohl einige Studenten für die Zwischenhausarbeiten, die wir zur letzten Stunde abzuliefern hatten, Plagiate abgegeben haben. Nun, das kommt ja auch in Deutschland vor. Aber die Leute wurden hier vor der gesamten Klasse namentlich benannt und sie mußten sich vor allen rechtfertigen! Das würde in Deutschland so wohl eher nicht vorkommen, sondern man würde die betreffenden Studenten zu dem Professor zitieren und das dann dort im Zwei-Augen-Gespräch klären, ggf. mit den notwendigen Konsequenzen. Ich weiß nicht, ob wir nicht in Deutschland manchmal zu "politisch korrekt" sind, aber die öffentliche Bloßstellung heute war schon etwas befremdlich.
An diesen Vorfall schloss sich dann das Verlesen der Namen der übrigen Kursteilnehmer mit den dazu gehörenden Noten an, allerdings ohne vorherige Befragung, ob alle damit einverstanden wären. Bei uns in Deutschland geht man zumeist den anonymen Weg über die Matrikelnummer, die man dann an irgendeinem Aushang mit den dazugehörigen Noten erfahren kann.
Ein weiterer Unterschied: knapp die Hälfte der Klasse hatte eine "Fünf", hier die beste Note bekommen, der Rest hatte zumeist eine gute oder schlechte "Vier" (bei uns also eine 2). Durchgefallen war keiner, natürlich bis auf die drei Plagierenden.
Und schließlich ein allerletzter Unterschied: die Korrektur unserer Hausarbeiten hat genau eine Woche gedauert. Letzte Woche abgegeben, diese Woche wiederbekommen. Das hab ich in Deutschland während meines gesamten Studiums nicht erlebt!
Dienstag, Oktober 24, 2006
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1 Kommentar:
Sei froh das keiner die Hände vorstrecken musste um mit dem Rohrstock belehrt zu werden.
Politisch Korrektist übrigens eine Art Beleidigung in Russland und wird als Schwäche gewertet.
Zumindest von höher gestellt zu tiefer gestellt. Andersrum sollte man größten Respekt walten lassen.
Viel Spass mit dem Kultureisberg:-)
Liebe Grüße aus dem sonnigen Dresden!!! Heute mal wieder 20 Grad.
Grüße auch an Lizz
Micha
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