Samstag, November 04, 2006

Die Pforten der Macht öffnen sich

In Russland ist alles möglich. Das habe ich wieder einmal - diesmal zum Glück im positiven Sinne - erleben dürfe. Die Pforten der Macht, hier die der russischen Staatsduma (d.h. des russischen Parlaments) werde sich öffnen - für mich und für andere Deutsche, die Lust und Interesse haben, ein Praktikum bei einem russischen Abgeordneten der Staatsduma zu machen.

Was heißt das?

Für mich konkret, dass ich im Februar/März bei einer Duma-Abgeordneten namens Alaexandra Burataeva mein (im Rahmen des Masterstudiums obligatorisches) Praktikum absolvieren werde und auch bis dahin wohl während der ganzen Zeit immer mal wieder in der Duma sein werden.

Für zehn andere Deutsche, dass auch sie ab nächstes Frühjahr jährlich einen Monat lang in der Duma ein Praktikum machen und erfahren dürfen, ob und wie die parlamentarische Demokratie in Russland funktioniert.

Und wie ist das alles gekommen?

Das ist eine etwas längere Geschichte, die ich versuchen will, hier in der notwendigen Kürze wiederzugeben.
Angefangen hat alles mit dem Petersburger Dialog in Dresden, auf dem ich vor kurzem die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Teilnehmer in unserer Arbeitsgruppe der "Zukunftswerkstatt" waren u.a. zwei Duma-Abgeordnete, darunter auch genannte Frau Alexandra Burataeva. Soweit so gut. In der Pause kam ich dann mit Frau Burataeva ins Gespräch und dabei erzählte sie mir, dass sie derzeit versucht, ein Programm zu initiieren, mittels dessen junge Deutsche ein Praktikum in der Duma absolvieren können, entsprechend des deutschen "Internationalen Parlaments-Praktikum" (IPP), das bereits seit 1993 junge Russen in den Bundestag einlädt und das nun auf gegenseitiger Basis ausgebaut werden soll.

Mein noch unorganisiertes eigenes Pflichtpraktikum im Hinterkopf habe ich dann bei Frau Burataeva etwas näher nachgefragt, was das genau für ein Programm sein soll und dabei sind wir auch auf meine eigene Arbeit im Bundestag und die Erfahrungen mit IPP-Stipendiaten zu sprechen gekommen. Mit dem Ergebnis, dass wir verabredet haben, dass ich mich nach meiner Rückkehr nach Moskau bei ihr melden soll. Dann können wir uns ja mal treffen und noch etwas genauer über eine mögliche Zusammenarbeit reden bzw. zunächst Ideen austauschen, zumal Anfang November eine deutsche Bundestagdelegation just wegen dieses Programms nach Moskau kommen wird. Gesagt, getan. Als ich wieder in Moskau war, habe ich gleich eine Mail geschrieben, allerdings auf Englisch, da mein aktives Russisch ja noch etwas "einfach" ist. (Wir haben in Dresden halb Englisch, halb Russisch gesprochen.) Und dann zog die Zeit ins Land. Die Tage vergingen, ohne dass ich etwas von Frau Burataeva gehört habe. Und ich habe mich irgendwie auch nicht so recht getraut, dort noch einmal telefonisch nachzuhaken. Vielleicht war unser Gespräch auf dem Petersburger Dialog ja doch nicht so verbindlich gewesen.

Und am Dienstagabend dieser Woche bekam ich plötzlich einen Anruf, von Frau Burataeva persönlich. Sie fragte, ob ich nicht Lust hätte, am Donnerstag bei dem Gespräch mit der deutschen Bundestagsdelegation teilzunehmen. Ich war sehr erstaunt und sagte ihr auch, dass ich mit dem Kontakt angesichts der ausgebliebenen Antwort gar nicht mehr gerechnet hätte. Sie meinte, dass sie keine Email bekommen hätte, was sie am nächsten Tag nach einer Rückfrage in ihrem Büro dahingehend ergänzte, dass die Mail wohl angekommen, ihr aber nicht vorgelegt worden war. Der für die Bürokommunikation zuständige Mitarbeiter kann leider kein Englisch und hat daher meine Mail noch unbearbeitet im Posteingang liegen lassen.

Das Treffen am Donnerstag mit der deutschen Delegation war dann aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Es wurde vereinbart, dass im nächsten Frühjahr zehn junge Deutsche ein Stipendium für ein zunächst einmonatiges Praktikum bei der Duma bekommen, das ähnlich wie beim deutschen Programm sowohl für die Unterkunft, die Anreise als auch die hiesigen Lebenshaltungskosten aufkommt. Die weiteren und genauen Details müssen noch ausgearbeitet und konkretisiert werden. Eine Aufgabe, die - wie wir vereinbart haben - zum Teil auch in meinen Händen liegen. Aber die deutsche Seite hat ihre volle Unterstützung und Hilfe zugesagt, die von russischer Seite auch gern angenommen wurde, mit der gegenseitigen Bestätigung, dass man ja das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müsse. Also ich muss sagen, wenn alle Abgeordneten in der Duma so offen und kompetent sind wie Frau Burataewa, dann mache ich mir um die Demokratie in Russland keine Sorge.

Ich bin wirklich gespannt, wie das alles werden wird und freue mich schon riesig darauf, nach dem deutschen nun auch das russische Parlament etwas genauer kennenlernen zu dürfen. Eine kurze Führung durch die Duma habe ich am Donnerstag schon bekommen, aber hinter die Kulissen schauen zu können, wird ungleich spannender werden.

Fortsetzung folgt (hoffentlich).

Mehr zum IPP unter: http://bundestag.de/jugend/ausprog/ipp/index.html


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch und viel Spass und Glück bei der Arbeit.
Klingt wirklich spannend und wird deinen Aufenthalt sicher noch spannender machen.

Beste Grüße aus Dresden
Micha