Nachdem mich einige besorgte, polonisierte Mailanfragen erreicht haben, hier nun die offizielle Bestätigung: Ich lebe noch und bin soweit gesund! Zum Schweigen haben mich keine Pülverchen gebracht, sondern einfach das riesige Arbeitspensum hier an der Uni. Hier war die letzten Wochen hart arbeiten angesagt. Eine Hausarbeit nach der anderen war zu schreiben, ca. 3 bis 4 pro Woche, hinzu kamen noch jeweils 1 bis 2 Klausuren. Also mehr als reichlich zu tun; da blieb keine Zeit und Muße für den Blog. Vieles war im Vergleich zum deutschen Studium nicht wirklich schwer, aber einfach unglaublich viel. Bin ganz schön auf dem Zahnfleisch gegangen. Totmüde und ausgelaugt bin ich, freue mich auf die Weihnachtsferien. Eigentlich fangen diese hier erst Neujahr an, da ja Weihnachten hier erst am 6. Januar gefeiert wird. Aber wir "westlichen Ausländer" haben schon nächste Woche freibekommen.
Weihnachten geht es dieses Jahr allerdings nicht heim, sondern auf ein russisches Dorf. Lisa, ein paar Freunde und ich fahren für einige Tage dahin, wo es angeblich noch so richtig russisch ist. In ein Dorf ca. 500 km von Moskau entfernt, ohne fließend Wasser, aber immerhin mit Strom. Dort werden wir auf einem Bauernhof wohnen, wo noch alles selbst gemacht wird. Die hofeigenen Kühe geben frische Milche, die Eier geben die Hühner, Brot wird selbst gebacken. Dazu gibt es dann Eingemachtes vom Sommer, Marmelade, Wurst usw. Tagsüber können wir durch den Schnee wandern, auf dem großen Schlitten fahren oder, wenn wir durchgefroren sind, in der Banja (Sauna) wieder aufwärmen. Und einen Weihnachtsbaum gibt's natürlich auch, frisch im Wald geschlagen. Das wird ein erholsamer Gegensatz zu dem ganzen Moskauer Stress in den letzten Wochen und Monaten.
Und Neujahr sind wir dann wieder hier in Moskau. Sylvester auf dem Roten Platz!
Tja, mit dem Studium in Moskau war's das dann auch fast schon wieder. Anfang Januar geht es kurz in die deutsche Heimat, dann kommen hier die großen Prüfungen, insgesamt vier. Im Februar und März wartet dann auf mich das Praktikum in der Duma. Und am 1. April geht es schon wieder heim.
Soweit die Planungen, aber ein bisschen Zeit bleibt ja zum Glück noch. Und ab jetzt werde ich hoffentlich auch wieder häufiger zum Blog-Schreiben kommen.
Und als Einstimmung auf die Feiertage gibts hier vorab schon mal die herzlichsten Wünsche aus der Ferne (eine Übersetzung wird auf Wunsch nachgeliefert):
С Новым счастьем!
С яркой ёлкой на снегу!
Я вам всем желаю счастья
В наступающем году!!!
Mehr in Kürze! :-)
Donnerstag, Dezember 21, 2006
Sonntag, November 26, 2006
Der Präsident kommt...
... räumt die Straßen! Und zwar vollständig!
Ich glaubte vor kurzem meinen Augen nicht zu trauen, als bei einem Blick aus meinem Fenster plötzlich die Straßen wie leer gefegt waren. Das ist umso erstaunlicher, da wir an einer der meistbefahren Straßen wohnen, dem sich rund um das Zentrum Moskaus ziehenden Gartenring, auf beiden Seiten vierspurig. Ein Zustand, den man sonst nicht einmal nachts zu sehen bekommt.
Aber wenn der Präsident dort langfahren will bzw. muss, wird kurzerhand eben einfach mal die Straße gesperrt, für gut 15 - 20 Minuten und das mitten zur Hauptverkehrszeit. Nichts geht mehr, die Straßen sind leergefegt. Bis dann plötzlich ein kleiner Konvoi vorbeigeschossen kommt. Vorn ein paar Polizeiautos, die verifizieren, ob die Straße auch wirklich frei ist und wahrscheinlich ansonsten kurzerhand den Weg wie auch immer freiräumen, in einem kurzen Abstand gefolgt von ein paar gepanzerten Jeeps, in deren Mitte eine große schwarze Limosine fährt. Hinterher kommen dann noch ein paar Begleitlimonsinen und weitere Polizeiautos. Man kann gar nicht so schnell schauen, und schon ist der "Spuk" wieder vorbei (daher gibts leider davon auch kein Foto). Und einige Minuten später rollt dann auch wieder der Verkehr auf der insgesamt achtspurigen Fahrbahn, eng aneinandergereihte Fahrzeuge aller Couleur und Klassen, von uralten Kisten aus Sowjetzeiten bis hin zu neuen, schicken und hochmodernen Riesenautos.
Ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn unsere Kanzlerin durch Berlin fährt. Werden da auch die Straßen vollständig gesperrt?
Ich glaubte vor kurzem meinen Augen nicht zu trauen, als bei einem Blick aus meinem Fenster plötzlich die Straßen wie leer gefegt waren. Das ist umso erstaunlicher, da wir an einer der meistbefahren Straßen wohnen, dem sich rund um das Zentrum Moskaus ziehenden Gartenring, auf beiden Seiten vierspurig. Ein Zustand, den man sonst nicht einmal nachts zu sehen bekommt.
Aber wenn der Präsident dort langfahren will bzw. muss, wird kurzerhand eben einfach mal die Straße gesperrt, für gut 15 - 20 Minuten und das mitten zur Hauptverkehrszeit. Nichts geht mehr, die Straßen sind leergefegt. Bis dann plötzlich ein kleiner Konvoi vorbeigeschossen kommt. Vorn ein paar Polizeiautos, die verifizieren, ob die Straße auch wirklich frei ist und wahrscheinlich ansonsten kurzerhand den Weg wie auch immer freiräumen, in einem kurzen Abstand gefolgt von ein paar gepanzerten Jeeps, in deren Mitte eine große schwarze Limosine fährt. Hinterher kommen dann noch ein paar Begleitlimonsinen und weitere Polizeiautos. Man kann gar nicht so schnell schauen, und schon ist der "Spuk" wieder vorbei (daher gibts leider davon auch kein Foto). Und einige Minuten später rollt dann auch wieder der Verkehr auf der insgesamt achtspurigen Fahrbahn, eng aneinandergereihte Fahrzeuge aller Couleur und Klassen, von uralten Kisten aus Sowjetzeiten bis hin zu neuen, schicken und hochmodernen Riesenautos.
Ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn unsere Kanzlerin durch Berlin fährt. Werden da auch die Straßen vollständig gesperrt?
Mittwoch, November 22, 2006
Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift
Heute hab ich mich mal wieder über eine dieser russischen, nicht immer nachvollziehbaren Vorschriften, derer es leider viele gibt, so richtig geärgert.
Passiert ist folgendes: Seit Tagen brüte ich über einer Arbeit, die wir für die Uni zu schreiben haben. Das Thema lautet: "Mein Plan für eine effektive Waffenkontrolle". So allgemein wie sich das anhört, soll es auch sein. Wir sollen im Fach "Internationale Sicherheit" unseren höchsteigenen Plan zu Papier bringen, wie man erreichen könnte, das es eine bessere Rüstungskontrolle auf der Welt gibt. Also, was sich ganze Herrscharen von Diplomaten und sonstigen Experten seit Jahrzehnten vergeblich zum Ziel gesetzt haben, auch wir sollen uns daran versuchen und ein kurzes Essay von 1-2 Seiten dazu schreiben. Nun ja, soweit, so gut.
Nachdem ich das erste Papier, welches wir für diesen Prof. zu schreiben hatten, beim letzten Mal auf Englisch aufgegeben habe (ich darf zur Zeit in einigen Fächern meine Arbeiten noch auf Englisch schreiben), hat dieser Prof. diesmal darum gebeten, dass auch ich meine Arbeit auf Russisch abgebe. Fair enough. Abgabetermin ist morgen früh im Kurs. Und bei dem hiesigen Arbeitspensum habe ich mich, wie das meistens so ist, natürlich auch erst wieder auf den letzten Drücker an die Arbeit gemacht. Das meiste habe ich in Nachtarbeiten daheim zu Papier gebracht, aber die letzten Zeilen dann erst heute im Computerraum der Uni. Und während ich so sitze und arbeite, erscheint plötzlich eine Warnung (natürlich auf Russisch) auf meinem Computer. Und ehe ich schnell genug lesen konnte, was da steht, fährt auch schon mein Computer runter. Ich war gerade auf der letzten Seite der Übersetzung meiner Arbeit vom Deutschen ins Russische, die dank eines tollen Internet-Übersetzungsprogramms doch relativ unproblematisch von Statten gegangen war. Andererseits hatte mir auch Studienkollegen angeboten, mir bei der Übersetzung zu helfen.
Und plötzlich war alles weg! Die ganze Arbeit der letzten Stunden - der letzten zwei Stunden, um genau zu sein, wie ich dann sogleich erfahren durfte. Ein ungläubiger und unsicherer Blick zur Aufsichtsperson des Computerraums wurde dann sogleich mit einer Anwort beehrt: "Only two hours, next time, tomorrow again". Ich versuchte ihr dann zu erklären, dass sich meine ganze Arbeit auf dem Computer befunden hätte und ich nicht mehr dazu gekommen war, die Datei richtig abzuspeichern. Ich hatte zwar, vorsichtig wie ich bin, eine Version auf dem Arbeitsplatz gespeichert, nur war dieses Dokument beim Wiederhochfahren dann leider verschwunden. Auf alle Ewigkeit. Zwei Stunden harte Arbeit umsonst. Pech gehabt. "Tomorrow again, two hours".
Nun, eigentlich macht diese Vorschrift unter bestimmten Bedingungen ja Sinn. Zum Beispiel mittags, wenn viele Studenten die Computer benutzen wollen. Aber zu der fraglichen Zeit waren schon seit geraumer Zeit zwei Drittel der Arbeitsplätze unbesetzt, niemand hatte auf meinen Platz gewartet. Und trotzdem: Es war nichts zu machen. "Only two hours, tomorrow."
Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...
Eine ähnliche Vorschrift gibt es übrigens auch dahingehend, dass eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeiten niemand neues mehr an die Arbeitsplätze rangelassen wird, auch nicht für nur zwei Minuten, um etwas auszudrucken. Selbiges ist meinem Studienkollegen Bastian neulich passiert, der eine der Arbeiten unbedingt schnell noch abends ausdrucken wollte/musste, da morgens vor Unterrichtsbeginn der PC-Raum noch nicht geöffnet hat. Aber es war leider bereits 18.35 Uhr und um 19.00 Uhr macht der Computerraum zu. Also, keine Zuteilung mehr eines Computers.
Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...
Zum Glück sah er einen anderen Studienkollegen an einem der Computer sitzen und ging zu ihm hin, um dort kurz über dessen PC das Dokument auszudrucken. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Denn da kommt schon die nächste Vorschrift zum Tragen: an jedem Computer darf nur eine Person arbeiten. Und was Bastian da versuchte, sei ja die Höhe und wurde umgehend dahingehend geahndet, dass der Freund, der ihn an seinen Computer gelassen hatte bzw. lassen wollte, gleich mal seinen Computer-Zugang für einen Monat gesperrt bekommen hat. Da könnte ja jeder kommen.
Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...
Die gilt es einzuhalten, egal was. Ausnahmen von der Regel gibt es zumeist nur zwei: entweder Du bist mit der entscheidenden Person gut befreundet und bekommst quasi ein Auge zugedrückt oder Du bist der/die Vorgesetzte und darfst die Regel sowie brechen oder gleich ganz ändern. Alle anderen müssen sich an die jeweilige Vorschrift halten. Sinnvolle, situationsgerechte Einzelfallentscheidungen gibt es nicht. Denn das würde bedeuten, dass die betreffende Person für eine Fehlentscheidung ggf. auch die Verantwortung übernehmen muss. Dies ist allerdings ein Zustand, den fast alle Russen zu vermeiden versuchen, aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich spielt da die Geschichte, 70 Jahre Kommunismus und auch die Zarenzeit, eine nicht unerhebliche Rolle. Und so lange auch die letzten Relikte dieser Zeit nicht überwunden sind, gilt strengstens und ohne Ausnahme:
Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift...
Passiert ist folgendes: Seit Tagen brüte ich über einer Arbeit, die wir für die Uni zu schreiben haben. Das Thema lautet: "Mein Plan für eine effektive Waffenkontrolle". So allgemein wie sich das anhört, soll es auch sein. Wir sollen im Fach "Internationale Sicherheit" unseren höchsteigenen Plan zu Papier bringen, wie man erreichen könnte, das es eine bessere Rüstungskontrolle auf der Welt gibt. Also, was sich ganze Herrscharen von Diplomaten und sonstigen Experten seit Jahrzehnten vergeblich zum Ziel gesetzt haben, auch wir sollen uns daran versuchen und ein kurzes Essay von 1-2 Seiten dazu schreiben. Nun ja, soweit, so gut.
Nachdem ich das erste Papier, welches wir für diesen Prof. zu schreiben hatten, beim letzten Mal auf Englisch aufgegeben habe (ich darf zur Zeit in einigen Fächern meine Arbeiten noch auf Englisch schreiben), hat dieser Prof. diesmal darum gebeten, dass auch ich meine Arbeit auf Russisch abgebe. Fair enough. Abgabetermin ist morgen früh im Kurs. Und bei dem hiesigen Arbeitspensum habe ich mich, wie das meistens so ist, natürlich auch erst wieder auf den letzten Drücker an die Arbeit gemacht. Das meiste habe ich in Nachtarbeiten daheim zu Papier gebracht, aber die letzten Zeilen dann erst heute im Computerraum der Uni. Und während ich so sitze und arbeite, erscheint plötzlich eine Warnung (natürlich auf Russisch) auf meinem Computer. Und ehe ich schnell genug lesen konnte, was da steht, fährt auch schon mein Computer runter. Ich war gerade auf der letzten Seite der Übersetzung meiner Arbeit vom Deutschen ins Russische, die dank eines tollen Internet-Übersetzungsprogramms doch relativ unproblematisch von Statten gegangen war. Andererseits hatte mir auch Studienkollegen angeboten, mir bei der Übersetzung zu helfen.
Und plötzlich war alles weg! Die ganze Arbeit der letzten Stunden - der letzten zwei Stunden, um genau zu sein, wie ich dann sogleich erfahren durfte. Ein ungläubiger und unsicherer Blick zur Aufsichtsperson des Computerraums wurde dann sogleich mit einer Anwort beehrt: "Only two hours, next time, tomorrow again". Ich versuchte ihr dann zu erklären, dass sich meine ganze Arbeit auf dem Computer befunden hätte und ich nicht mehr dazu gekommen war, die Datei richtig abzuspeichern. Ich hatte zwar, vorsichtig wie ich bin, eine Version auf dem Arbeitsplatz gespeichert, nur war dieses Dokument beim Wiederhochfahren dann leider verschwunden. Auf alle Ewigkeit. Zwei Stunden harte Arbeit umsonst. Pech gehabt. "Tomorrow again, two hours".
Nun, eigentlich macht diese Vorschrift unter bestimmten Bedingungen ja Sinn. Zum Beispiel mittags, wenn viele Studenten die Computer benutzen wollen. Aber zu der fraglichen Zeit waren schon seit geraumer Zeit zwei Drittel der Arbeitsplätze unbesetzt, niemand hatte auf meinen Platz gewartet. Und trotzdem: Es war nichts zu machen. "Only two hours, tomorrow."
Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...
Eine ähnliche Vorschrift gibt es übrigens auch dahingehend, dass eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeiten niemand neues mehr an die Arbeitsplätze rangelassen wird, auch nicht für nur zwei Minuten, um etwas auszudrucken. Selbiges ist meinem Studienkollegen Bastian neulich passiert, der eine der Arbeiten unbedingt schnell noch abends ausdrucken wollte/musste, da morgens vor Unterrichtsbeginn der PC-Raum noch nicht geöffnet hat. Aber es war leider bereits 18.35 Uhr und um 19.00 Uhr macht der Computerraum zu. Also, keine Zuteilung mehr eines Computers.
Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...
Zum Glück sah er einen anderen Studienkollegen an einem der Computer sitzen und ging zu ihm hin, um dort kurz über dessen PC das Dokument auszudrucken. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Denn da kommt schon die nächste Vorschrift zum Tragen: an jedem Computer darf nur eine Person arbeiten. Und was Bastian da versuchte, sei ja die Höhe und wurde umgehend dahingehend geahndet, dass der Freund, der ihn an seinen Computer gelassen hatte bzw. lassen wollte, gleich mal seinen Computer-Zugang für einen Monat gesperrt bekommen hat. Da könnte ja jeder kommen.
Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...
Die gilt es einzuhalten, egal was. Ausnahmen von der Regel gibt es zumeist nur zwei: entweder Du bist mit der entscheidenden Person gut befreundet und bekommst quasi ein Auge zugedrückt oder Du bist der/die Vorgesetzte und darfst die Regel sowie brechen oder gleich ganz ändern. Alle anderen müssen sich an die jeweilige Vorschrift halten. Sinnvolle, situationsgerechte Einzelfallentscheidungen gibt es nicht. Denn das würde bedeuten, dass die betreffende Person für eine Fehlentscheidung ggf. auch die Verantwortung übernehmen muss. Dies ist allerdings ein Zustand, den fast alle Russen zu vermeiden versuchen, aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich spielt da die Geschichte, 70 Jahre Kommunismus und auch die Zarenzeit, eine nicht unerhebliche Rolle. Und so lange auch die letzten Relikte dieser Zeit nicht überwunden sind, gilt strengstens und ohne Ausnahme:
Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift...
Dienstag, November 21, 2006
Die strenggeheimen Kreml-Protokolle
Wer vor kurzem den "Spiegel" No. 46 gelesen hat, dem ist bestimmt noch die Titelstory in Erinnerung - betreffend die Kreml-Protokolle aus den Jahren 1985 bis 1991. Also die ganz geheimen Aufzeichnungen aus dem Inneren der Sowjetmacht während der Zeit Gorbatschows.
Auch ich habe diese ungemein spannende Titelgeschichte mit größtem Interesse gelesen, teuer habe ich zudem dafür bezahlt. Um in Moskau nicht ganz den Anschluß an die Geschehnisse in Deutschland zu verpassen, gönne ich mir auch hier den "Spiegel" jede Woche für 350 Rubel, umgerechnet gute 10 Euro (!).
Angeregt von dem spannenden Artikel habe ich mich denn auch gleich auf den Weg zu einem der größten der in Moskau wirklich unzähligen Buchläden gemacht, um dort das Buch "Im Politbüro des ZK des KPdSU", auf das sich der Spiegel-Artikel bezog, zu erwerben. Nachdem ich der Verkäuerin verständlich gemacht hatte, was ich denn möchte, meinte sie nur kurz angebunden: Mal schauen, ob noch ein Exemplar da ist, ich glaub ja nicht. Aber ich hatte Glück und hielt in meinen Händen doch tatsächlich das letzte vorhandene Exemplar dieses 784-seitigen Werkes, das erst vor zwei Wochen erschienen und offensichtlich doch schon vergriffen ist. Herausgegeben wurde das Buch von der Gorbatschow-Stiftung und enthält die Aufzeichnungen dreier enger Vertrauter Gorbatschows, die ab 1985 festgehalten haben, was damals in den Sitzungen des sagenumwobenen und strenggeheimen Zirkel so gesprochen und gedacht wurde.
Ob ich mir diesen dicken Schmöker auch wirklich kaufen sollte, dessen war mir allerdings nicht so sicher. Zum einen ist mein Russisch ja noch in den Anfängen, zum anderen hat mich der Preis von 669 Rubel (ca. 19 Euro) etwas abgeschreckt. In dem Spiegel-Artikel war noch ein Preis von 555 Rubel vermerkt, der, wie ich dann sah, unter dem aktuellen Preis tatsächlich auch noch verzeichnet war. Angesichts der großen Nachfrage hatte man aber den Preis wohl einfach erhöht, eine Buchpreisbindung scheint es in Russland also nicht zu geben. Aber da mich das Thema wirklich interessiert, mein Russisch hoffentlich mit der Zeit besser wird und zudem völlig unklar ist, ob und wenn ja wann es eine deutsche Übersetzung des Buches geben wird, habe ich mich doch zum Erwerb entschlossen.
Und so werde ich nun mittels dieser Lektüre versuchen, tiefer in das damalige Denken der Sowjetmacht vorzudringen und so ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum die Geschichte so verlaufen ist, wie wir sie erlebt haben - falls neben meinen vielen Arbeiten, die ich für die Uni schreiben muss, überhaupt noch Zeit zum Lesen übrigbleibt.
Auch ich habe diese ungemein spannende Titelgeschichte mit größtem Interesse gelesen, teuer habe ich zudem dafür bezahlt. Um in Moskau nicht ganz den Anschluß an die Geschehnisse in Deutschland zu verpassen, gönne ich mir auch hier den "Spiegel" jede Woche für 350 Rubel, umgerechnet gute 10 Euro (!).
Angeregt von dem spannenden Artikel habe ich mich denn auch gleich auf den Weg zu einem der größten der in Moskau wirklich unzähligen Buchläden gemacht, um dort das Buch "Im Politbüro des ZK des KPdSU", auf das sich der Spiegel-Artikel bezog, zu erwerben. Nachdem ich der Verkäuerin verständlich gemacht hatte, was ich denn möchte, meinte sie nur kurz angebunden: Mal schauen, ob noch ein Exemplar da ist, ich glaub ja nicht. Aber ich hatte Glück und hielt in meinen Händen doch tatsächlich das letzte vorhandene Exemplar dieses 784-seitigen Werkes, das erst vor zwei Wochen erschienen und offensichtlich doch schon vergriffen ist. Herausgegeben wurde das Buch von der Gorbatschow-Stiftung und enthält die Aufzeichnungen dreier enger Vertrauter Gorbatschows, die ab 1985 festgehalten haben, was damals in den Sitzungen des sagenumwobenen und strenggeheimen Zirkel so gesprochen und gedacht wurde.
Ob ich mir diesen dicken Schmöker auch wirklich kaufen sollte, dessen war mir allerdings nicht so sicher. Zum einen ist mein Russisch ja noch in den Anfängen, zum anderen hat mich der Preis von 669 Rubel (ca. 19 Euro) etwas abgeschreckt. In dem Spiegel-Artikel war noch ein Preis von 555 Rubel vermerkt, der, wie ich dann sah, unter dem aktuellen Preis tatsächlich auch noch verzeichnet war. Angesichts der großen Nachfrage hatte man aber den Preis wohl einfach erhöht, eine Buchpreisbindung scheint es in Russland also nicht zu geben. Aber da mich das Thema wirklich interessiert, mein Russisch hoffentlich mit der Zeit besser wird und zudem völlig unklar ist, ob und wenn ja wann es eine deutsche Übersetzung des Buches geben wird, habe ich mich doch zum Erwerb entschlossen.
Und so werde ich nun mittels dieser Lektüre versuchen, tiefer in das damalige Denken der Sowjetmacht vorzudringen und so ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum die Geschichte so verlaufen ist, wie wir sie erlebt haben - falls neben meinen vielen Arbeiten, die ich für die Uni schreiben muss, überhaupt noch Zeit zum Lesen übrigbleibt.
Sonntag, November 19, 2006
Kulturgenuß in Moskau
Die Kulturlandschaft in Moskau ist zu Recht in aller Welt berühmt. Es ist schon erstaunlich, was es hier alles an Angeboten gibt. Aber noch erstaunlicher ist aus meiner Sicht, wie stark frequentiert die hiesigen Angebote sind. Während man in Deutschland ja öfter mal in einem halbleeren Saal sitzt und auch die Anbieter recht häufig über mangelndes Interesse klagen, kann ich dies hier nicht beobachten. Im Gegenteil. Wenn man nicht schnell genug ist, bekommt man keine Karten mehr, egal wofür. Und obwohl hier die Karten zum Teil einem Monatslohn entsprechen, sieht man auch viele "normale" Leute im Publikum. Kunst füllt zwar nicht den Magen oder Ofen, scheint aber für viele Russen trotzdem ein notwendiges Lebenselixier zu sein.
Nachdem unser hiesiges Leben nun so langsam in geregelten Bahnen verläuft, haben wir endlich auch Zeit und Muße, das tolle Kulturangebot Moskaus etwas mehr auszuprobieren. So waren Lisa und ich, begleitet von zwei sehr netten Russinnen, die Lisa auf einer ihrer Wanderungen kennengelernt hatte, letzte Woche zum Beispiel in der Tretjakow-Galerie. Und haben uns dort von Olga und Mascha die Schätze der russischen Malerei erklären lassen, auf Russisch. Und zu unser aller Erstaunen ging das recht gut. Tja, Kunst spricht wohl doch eine eigene Sprache.
Konzerttechnisch fing unser Kulturgenuß schon mal vor gut drei Wochen mit einem Besuch des Moskauer Konservatoriums an, wo wir uns Arien und Lieder verschiedener Komponisten anhören wollten, vorgetragen von einer Sopran-Solistin und einer Pianistin. Leider muss ich sagen, dass dieser Abend eher ein Reinfall war. Die Sängerin war ziemlich grauslich (einhellige Meinung innerhalb unserer Gruppe): sie traf kaum einen Ton, gebärdete sich dafür aber umso gezierter und warf alle paar Minuten ihre blonde Mähne und den recht üppigen Busen auf der Bühne von einer Seite auf die andere, als wäre sie DIE Starattraktion Moskau schlechthin. Wir haben dann ein wenig spekuliert, wie sie den Bühnenauftritt bekommen hat, mit dem Ergebnis, dass auch die Russen in unserer Gruppe auf zwei verschiedene Varianten getippt haben.
Aber das hat uns trotzdem nicht abschrecken können, zumal uns versichert wurde, dass dies eigentlich nicht dem Niveau des Moskauer Konservatoriums entspricht. Daher probieren wir es diesen Freitag noch einmal aus, diesmal im großen Saal mit dem Staatlichen Nachwuchs-Sinfonie-Orchester. Gespielt wird Tschaikowski und Mozart - das dürfte eigentlich nichts schief gehen.
Und da wir gerade im Kartenkaufrausch waren und wir zudem die Zeit, die uns noch bleibt, gut nutzen müssen, haben wir uns gleich noch nach Opern- bzw. Balletkarten umgeschaut. Für die Klassiker "Nussknacker" bzw. "Schwanensee" waren Karten leider nur ab 100 Euro zu haben, was leider unseren finanziellen Mitteln nicht so ganz entspricht. Aber dafür schauen wir uns in zwei Wochen "Nabucco" von Verdi an. Und am 24. 12. dann "Eugen Onegin" von Tschaikowski. Kann es bei einem Weihnachten in Russland etwas schöneres geben, als am 24.12. im Bolschoi-Theater die Kunst der beiden größten Russen, Puschkin (Autor des "Eugen Onegin") und Tschaikowski, zu genießen?!
Nachdem unser hiesiges Leben nun so langsam in geregelten Bahnen verläuft, haben wir endlich auch Zeit und Muße, das tolle Kulturangebot Moskaus etwas mehr auszuprobieren. So waren Lisa und ich, begleitet von zwei sehr netten Russinnen, die Lisa auf einer ihrer Wanderungen kennengelernt hatte, letzte Woche zum Beispiel in der Tretjakow-Galerie. Und haben uns dort von Olga und Mascha die Schätze der russischen Malerei erklären lassen, auf Russisch. Und zu unser aller Erstaunen ging das recht gut. Tja, Kunst spricht wohl doch eine eigene Sprache.
Konzerttechnisch fing unser Kulturgenuß schon mal vor gut drei Wochen mit einem Besuch des Moskauer Konservatoriums an, wo wir uns Arien und Lieder verschiedener Komponisten anhören wollten, vorgetragen von einer Sopran-Solistin und einer Pianistin. Leider muss ich sagen, dass dieser Abend eher ein Reinfall war. Die Sängerin war ziemlich grauslich (einhellige Meinung innerhalb unserer Gruppe): sie traf kaum einen Ton, gebärdete sich dafür aber umso gezierter und warf alle paar Minuten ihre blonde Mähne und den recht üppigen Busen auf der Bühne von einer Seite auf die andere, als wäre sie DIE Starattraktion Moskau schlechthin. Wir haben dann ein wenig spekuliert, wie sie den Bühnenauftritt bekommen hat, mit dem Ergebnis, dass auch die Russen in unserer Gruppe auf zwei verschiedene Varianten getippt haben.
Aber das hat uns trotzdem nicht abschrecken können, zumal uns versichert wurde, dass dies eigentlich nicht dem Niveau des Moskauer Konservatoriums entspricht. Daher probieren wir es diesen Freitag noch einmal aus, diesmal im großen Saal mit dem Staatlichen Nachwuchs-Sinfonie-Orchester. Gespielt wird Tschaikowski und Mozart - das dürfte eigentlich nichts schief gehen.
Und da wir gerade im Kartenkaufrausch waren und wir zudem die Zeit, die uns noch bleibt, gut nutzen müssen, haben wir uns gleich noch nach Opern- bzw. Balletkarten umgeschaut. Für die Klassiker "Nussknacker" bzw. "Schwanensee" waren Karten leider nur ab 100 Euro zu haben, was leider unseren finanziellen Mitteln nicht so ganz entspricht. Aber dafür schauen wir uns in zwei Wochen "Nabucco" von Verdi an. Und am 24. 12. dann "Eugen Onegin" von Tschaikowski. Kann es bei einem Weihnachten in Russland etwas schöneres geben, als am 24.12. im Bolschoi-Theater die Kunst der beiden größten Russen, Puschkin (Autor des "Eugen Onegin") und Tschaikowski, zu genießen?!
Dienstag, November 07, 2006
Es hat endlich "Klick" gemacht!
Entgegen meiner sonst hervorragenden Tiefschlafgewohnheit bin ich heute mitten in der Nacht aufgewacht. Der Grund: ich habe Russisch gedacht bzw. geträumt. Nun, das ist ja eigentlich noch kein Grund aufzuwachen. Aber wenn ich mich recht erinnere, hat mein vorhandes Russisch-Vokabular beim Träumen irgendwie nicht ausgereicht und das hat mich offensichtlich unruhig werden und aufwachen lassen. Und auch kurz nach dem Aufwachen habe ich weiter auf Russisch gedacht, allerdings nur leider nur sehr einfach. Die Worte wollten partout nur auf Russisch und nicht auf Deutsch kommen, waren dabei aber so einfach, dass ich immer und immer wieder dasselbe gedacht habe: Ich kann auf Russisch denken! Ich kann russisch denken! :-)
Und dann habe ich gleich den Verifikationstest gemacht, ob das auch heißt, dass ich endlich auch alles verstehe. Ich hab mir die Kopfhörer meinens IPODs aufgesetzt und einige russische Podcasts der Deutschen Welle-Online, die ich mir vor kurzen drauf geladen habe, angehört. Und? Nun, alles habe ich (leider immer noch) nicht verstanden. aber was schon da war, war das Gefühl, jetzt nicht mehr jedes Wort bzw. jeden Satz übersetzen zu müssen, sondern die Worte reihten sich wie im Deutschen in einem sinnvollen - verständlichen - Zusammenhang aneinander. Zwischendurch tauchten immer mal wieder Worte auf, die ich nicht wußte, aber ich habe trotzdem den Sinn des Gehörten verstanden - trotz der sehr schnellen Sprechgewindigkeit.
Tja, nach gut zwei Monaten ist also offensichtlich wirklich endlich der Moment gekommen, an dem es "Klick" gemacht hat. Ich hatte, ehrlich gesagt, schon fast die Hoffnung verloren. Wie ich heute beim Aufwachen gemerkt habe, heißt das zwar noch lange nicht, dass ich damit auch alles verstehen und sprechen kann, aber die nächste Stufe scheint erreicht zu sein. Das macht Mut, um die bestimmt auch weiterhin auftretenden Schwierigkeiten und Frustmomente zu überstehen.
Und da ich jetzt nicht mehr schlafen kann, es aber erst kurz nach sechs in der Frühe ist, werde ich mir das Kinder-Buch schnappen, das mir meine Russisch-Lehrerin gestern geben hat, und erfahren können, welche Abenteuer "Onkel Fjodor, der Hund und der Kater" so erleben.
Und dann habe ich gleich den Verifikationstest gemacht, ob das auch heißt, dass ich endlich auch alles verstehe. Ich hab mir die Kopfhörer meinens IPODs aufgesetzt und einige russische Podcasts der Deutschen Welle-Online, die ich mir vor kurzen drauf geladen habe, angehört. Und? Nun, alles habe ich (leider immer noch) nicht verstanden. aber was schon da war, war das Gefühl, jetzt nicht mehr jedes Wort bzw. jeden Satz übersetzen zu müssen, sondern die Worte reihten sich wie im Deutschen in einem sinnvollen - verständlichen - Zusammenhang aneinander. Zwischendurch tauchten immer mal wieder Worte auf, die ich nicht wußte, aber ich habe trotzdem den Sinn des Gehörten verstanden - trotz der sehr schnellen Sprechgewindigkeit.
Tja, nach gut zwei Monaten ist also offensichtlich wirklich endlich der Moment gekommen, an dem es "Klick" gemacht hat. Ich hatte, ehrlich gesagt, schon fast die Hoffnung verloren. Wie ich heute beim Aufwachen gemerkt habe, heißt das zwar noch lange nicht, dass ich damit auch alles verstehen und sprechen kann, aber die nächste Stufe scheint erreicht zu sein. Das macht Mut, um die bestimmt auch weiterhin auftretenden Schwierigkeiten und Frustmomente zu überstehen.
Und da ich jetzt nicht mehr schlafen kann, es aber erst kurz nach sechs in der Frühe ist, werde ich mir das Kinder-Buch schnappen, das mir meine Russisch-Lehrerin gestern geben hat, und erfahren können, welche Abenteuer "Onkel Fjodor, der Hund und der Kater" so erleben.
Samstag, November 04, 2006
Die Pforten der Macht öffnen sich
In Russland ist alles möglich. Das habe ich wieder einmal - diesmal zum Glück im positiven Sinne - erleben dürfe. Die Pforten der Macht, hier die der russischen Staatsduma (d.h. des russischen Parlaments) werde sich öffnen - für mich und für andere Deutsche, die Lust und Interesse haben, ein Praktikum bei einem russischen Abgeordneten der Staatsduma zu machen.
Was heißt das?
Für mich konkret, dass ich im Februar/März bei einer Duma-Abgeordneten namens Alaexandra Burataeva mein (im Rahmen des Masterstudiums obligatorisches) Praktikum absolvieren werde und auch bis dahin wohl während der ganzen Zeit immer mal wieder in der Duma sein werden.
Für zehn andere Deutsche, dass auch sie ab nächstes Frühjahr jährlich einen Monat lang in der Duma ein Praktikum machen und erfahren dürfen, ob und wie die parlamentarische Demokratie in Russland funktioniert.
Und wie ist das alles gekommen?
Das ist eine etwas längere Geschichte, die ich versuchen will, hier in der notwendigen Kürze wiederzugeben.
Angefangen hat alles mit dem Petersburger Dialog in Dresden, auf dem ich vor kurzem die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Teilnehmer in unserer Arbeitsgruppe der "Zukunftswerkstatt" waren u.a. zwei Duma-Abgeordnete, darunter auch genannte Frau Alexandra Burataeva. Soweit so gut. In der Pause kam ich dann mit Frau Burataeva ins Gespräch und dabei erzählte sie mir, dass sie derzeit versucht, ein Programm zu initiieren, mittels dessen junge Deutsche ein Praktikum in der Duma absolvieren können, entsprechend des deutschen "Internationalen Parlaments-Praktikum" (IPP), das bereits seit 1993 junge Russen in den Bundestag einlädt und das nun auf gegenseitiger Basis ausgebaut werden soll.
Mein noch unorganisiertes eigenes Pflichtpraktikum im Hinterkopf habe ich dann bei Frau Burataeva etwas näher nachgefragt, was das genau für ein Programm sein soll und dabei sind wir auch auf meine eigene Arbeit im Bundestag und die Erfahrungen mit IPP-Stipendiaten zu sprechen gekommen. Mit dem Ergebnis, dass wir verabredet haben, dass ich mich nach meiner Rückkehr nach Moskau bei ihr melden soll. Dann können wir uns ja mal treffen und noch etwas genauer über eine mögliche Zusammenarbeit reden bzw. zunächst Ideen austauschen, zumal Anfang November eine deutsche Bundestagdelegation just wegen dieses Programms nach Moskau kommen wird. Gesagt, getan. Als ich wieder in Moskau war, habe ich gleich eine Mail geschrieben, allerdings auf Englisch, da mein aktives Russisch ja noch etwas "einfach" ist. (Wir haben in Dresden halb Englisch, halb Russisch gesprochen.) Und dann zog die Zeit ins Land. Die Tage vergingen, ohne dass ich etwas von Frau Burataeva gehört habe. Und ich habe mich irgendwie auch nicht so recht getraut, dort noch einmal telefonisch nachzuhaken. Vielleicht war unser Gespräch auf dem Petersburger Dialog ja doch nicht so verbindlich gewesen.
Und am Dienstagabend dieser Woche bekam ich plötzlich einen Anruf, von Frau Burataeva persönlich. Sie fragte, ob ich nicht Lust hätte, am Donnerstag bei dem Gespräch mit der deutschen Bundestagsdelegation teilzunehmen. Ich war sehr erstaunt und sagte ihr auch, dass ich mit dem Kontakt angesichts der ausgebliebenen Antwort gar nicht mehr gerechnet hätte. Sie meinte, dass sie keine Email bekommen hätte, was sie am nächsten Tag nach einer Rückfrage in ihrem Büro dahingehend ergänzte, dass die Mail wohl angekommen, ihr aber nicht vorgelegt worden war. Der für die Bürokommunikation zuständige Mitarbeiter kann leider kein Englisch und hat daher meine Mail noch unbearbeitet im Posteingang liegen lassen.
Das Treffen am Donnerstag mit der deutschen Delegation war dann aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Es wurde vereinbart, dass im nächsten Frühjahr zehn junge Deutsche ein Stipendium für ein zunächst einmonatiges Praktikum bei der Duma bekommen, das ähnlich wie beim deutschen Programm sowohl für die Unterkunft, die Anreise als auch die hiesigen Lebenshaltungskosten aufkommt. Die weiteren und genauen Details müssen noch ausgearbeitet und konkretisiert werden. Eine Aufgabe, die - wie wir vereinbart haben - zum Teil auch in meinen Händen liegen. Aber die deutsche Seite hat ihre volle Unterstützung und Hilfe zugesagt, die von russischer Seite auch gern angenommen wurde, mit der gegenseitigen Bestätigung, dass man ja das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müsse. Also ich muss sagen, wenn alle Abgeordneten in der Duma so offen und kompetent sind wie Frau Burataewa, dann mache ich mir um die Demokratie in Russland keine Sorge.
Ich bin wirklich gespannt, wie das alles werden wird und freue mich schon riesig darauf, nach dem deutschen nun auch das russische Parlament etwas genauer kennenlernen zu dürfen. Eine kurze Führung durch die Duma habe ich am Donnerstag schon bekommen, aber hinter die Kulissen schauen zu können, wird ungleich spannender werden.
Fortsetzung folgt (hoffentlich).
Mehr zum IPP unter: http://bundestag.de/jugend/ausprog/ipp/index.html
Was heißt das?
Für mich konkret, dass ich im Februar/März bei einer Duma-Abgeordneten namens Alaexandra Burataeva mein (im Rahmen des Masterstudiums obligatorisches) Praktikum absolvieren werde und auch bis dahin wohl während der ganzen Zeit immer mal wieder in der Duma sein werden.
Für zehn andere Deutsche, dass auch sie ab nächstes Frühjahr jährlich einen Monat lang in der Duma ein Praktikum machen und erfahren dürfen, ob und wie die parlamentarische Demokratie in Russland funktioniert.
Und wie ist das alles gekommen?
Das ist eine etwas längere Geschichte, die ich versuchen will, hier in der notwendigen Kürze wiederzugeben.
Angefangen hat alles mit dem Petersburger Dialog in Dresden, auf dem ich vor kurzem die Ehre hatte, eingeladen zu sein. Teilnehmer in unserer Arbeitsgruppe der "Zukunftswerkstatt" waren u.a. zwei Duma-Abgeordnete, darunter auch genannte Frau Alexandra Burataeva. Soweit so gut. In der Pause kam ich dann mit Frau Burataeva ins Gespräch und dabei erzählte sie mir, dass sie derzeit versucht, ein Programm zu initiieren, mittels dessen junge Deutsche ein Praktikum in der Duma absolvieren können, entsprechend des deutschen "Internationalen Parlaments-Praktikum" (IPP), das bereits seit 1993 junge Russen in den Bundestag einlädt und das nun auf gegenseitiger Basis ausgebaut werden soll.
Mein noch unorganisiertes eigenes Pflichtpraktikum im Hinterkopf habe ich dann bei Frau Burataeva etwas näher nachgefragt, was das genau für ein Programm sein soll und dabei sind wir auch auf meine eigene Arbeit im Bundestag und die Erfahrungen mit IPP-Stipendiaten zu sprechen gekommen. Mit dem Ergebnis, dass wir verabredet haben, dass ich mich nach meiner Rückkehr nach Moskau bei ihr melden soll. Dann können wir uns ja mal treffen und noch etwas genauer über eine mögliche Zusammenarbeit reden bzw. zunächst Ideen austauschen, zumal Anfang November eine deutsche Bundestagdelegation just wegen dieses Programms nach Moskau kommen wird. Gesagt, getan. Als ich wieder in Moskau war, habe ich gleich eine Mail geschrieben, allerdings auf Englisch, da mein aktives Russisch ja noch etwas "einfach" ist. (Wir haben in Dresden halb Englisch, halb Russisch gesprochen.) Und dann zog die Zeit ins Land. Die Tage vergingen, ohne dass ich etwas von Frau Burataeva gehört habe. Und ich habe mich irgendwie auch nicht so recht getraut, dort noch einmal telefonisch nachzuhaken. Vielleicht war unser Gespräch auf dem Petersburger Dialog ja doch nicht so verbindlich gewesen.
Und am Dienstagabend dieser Woche bekam ich plötzlich einen Anruf, von Frau Burataeva persönlich. Sie fragte, ob ich nicht Lust hätte, am Donnerstag bei dem Gespräch mit der deutschen Bundestagsdelegation teilzunehmen. Ich war sehr erstaunt und sagte ihr auch, dass ich mit dem Kontakt angesichts der ausgebliebenen Antwort gar nicht mehr gerechnet hätte. Sie meinte, dass sie keine Email bekommen hätte, was sie am nächsten Tag nach einer Rückfrage in ihrem Büro dahingehend ergänzte, dass die Mail wohl angekommen, ihr aber nicht vorgelegt worden war. Der für die Bürokommunikation zuständige Mitarbeiter kann leider kein Englisch und hat daher meine Mail noch unbearbeitet im Posteingang liegen lassen.
Das Treffen am Donnerstag mit der deutschen Delegation war dann aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Es wurde vereinbart, dass im nächsten Frühjahr zehn junge Deutsche ein Stipendium für ein zunächst einmonatiges Praktikum bei der Duma bekommen, das ähnlich wie beim deutschen Programm sowohl für die Unterkunft, die Anreise als auch die hiesigen Lebenshaltungskosten aufkommt. Die weiteren und genauen Details müssen noch ausgearbeitet und konkretisiert werden. Eine Aufgabe, die - wie wir vereinbart haben - zum Teil auch in meinen Händen liegen. Aber die deutsche Seite hat ihre volle Unterstützung und Hilfe zugesagt, die von russischer Seite auch gern angenommen wurde, mit der gegenseitigen Bestätigung, dass man ja das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müsse. Also ich muss sagen, wenn alle Abgeordneten in der Duma so offen und kompetent sind wie Frau Burataewa, dann mache ich mir um die Demokratie in Russland keine Sorge.
Ich bin wirklich gespannt, wie das alles werden wird und freue mich schon riesig darauf, nach dem deutschen nun auch das russische Parlament etwas genauer kennenlernen zu dürfen. Eine kurze Führung durch die Duma habe ich am Donnerstag schon bekommen, aber hinter die Kulissen schauen zu können, wird ungleich spannender werden.
Fortsetzung folgt (hoffentlich).
Mehr zum IPP unter: http://bundestag.de/jugend/ausprog/ipp/index.html
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