Donnerstag, Januar 25, 2007

Wieder da...

Wenn auch anders geplant, komme ich erst jetzt wieder dazu, mich meinem Blog zu widmen. Der Januar war dann doch arbeitsreicher als geplant und so fehlten sowohl Zeit als auch Muße, um über meine Erlebnisse hier zu berichten.

Was ist denn inzwischen so passiert? Nun, Weihnachten und Neujahr habe ich hier in Russland gefeiert (dazu an späterer Stelle mehr), ich habe gestern auch die letzte Prüfung absolviert (fast alles Fünfen! Hurra!) und nun warte ich mit Spannung auf mein Praktikum in der Duma.

Tja, mein Studium ist mit der gestrigen Prüfung damit also beendet. Es war nicht immer ganz einfach, vor allem das Herumschlagen mit der Adminstration und die Unfreundlichkeit einiger Leute waren manchmal schon eine echt harte Probe. Aber dafür habe ich auch einige richtig nette Leute kennengelernt, es sind wenig, aber dafür so richtig nette. Wenn ich ein Fazit ziehen soll, so kann man schon sagen, dass ich hier recht viel gelernt habe, wenn auch weniger im fachlichen Bereich. Aber dafür verstehe ich jetzt um einiges besser, warum Russland manchmal so ist, wie es ist. Was leider noch lange nicht heißt, dass es damit leichter wird, damit umzugehen. Aber es ist schonmal ein erster Schritt. Was die Ergebnisse der Prüfungen betrifft, so habe ich vier Fünfen bekommen und eine Vier. Kein schlechtes Ergebnis, ist doch hier in Russland eine Fünf die beste Note.

Und jetzt warte ich also auf mein Praktikum in der Duma, welches offiziell am 1. Februar anfängt. In der Zwischenzeit werde ich schon mal die notwendige russische Literatur für meine Masterarbeit zusammensuchen, die ich zu den amerikanisch-russischen Beziehungen schreiben will und vor allem weiterhin viel Zeitung lesen und Fernsehen schauen. Letzteres ist zwar noch schlechter als in Deutschland, dafür aber eine gute Hörübung und offenbahrt zudem einiges über den russischen Geschmack und "way of life".

Montag, Dezember 25, 2006

C Рождеством! (Frohe Weihnachten!)

Ich wünsche Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!

Ich habe ein solches, wenn auch dieses Jahr ganz anders. Russisch eben. Aber wichtig ist ja nicht unbedingt, dass man Weihnachten jeder Jahr nach genau dem gleichen Muster feiert, sondern dass Ruhe und Besinnung einkehren. Und diese Attribute lassen sich auch hier Moskau finden, trotz aller Hektik und trotz der Tatsache, dass hier wegen der Vorzeitigkeit unseres Festes eigentlich noch so gar keine Weihnachtsstimmung herrscht.

Für mich gehört zu Weihnachten auch eine Weihnachtsmesse, angesichts der Örtlichkeit haben wir uns für eine russisch-orthodoxe entschieden. Russisch-orthodoxe Kirchen sind eine Pracht. Alle Wände sind mit Ikonen und sonstigen Heiligenbildern ausgeschmückt, ohne dass man jedoch das Gefühl hat, es würde einen erschlagen. Die morgendliche Messe war sehr schön, wenn auch ziemlich anders. Während des drei- oder sogar noch mehrstündigen Gottesdienstes ist ein ständiges Kommen und Gehen. Einige, vor allem alte Frauen, bleiben oft die ganze Zeit, andere kommen, gesellen sich zu den anderen stehenden Zuhörern, lauschen den Priestern, verrichten ihre Gebete und gehen wieder. Auch wenn ich nichts von dem Gesagten verstanden habe und es eigentlich auch kein besonderer Gottesdienst war, so kam doch das Gefühl von Weihnachten auf. Etwas ungewohnt war für mich nur, dass die Priester nicht mit und zu den Menschen gesprochen haben, sondern die ganze Zeit, während der wir da waren, in Richtung Altar gebetet haben und daher den Gläubigen ständig den Rücken zugewandt hatten.

Nach dem Gottestdienst haben wir uns dann noch Sergej Posad, eine mittelalterliche Klosteranlage etwas außerhalb von Moskau, angeschaut. Und da es inzwischen endlich etwas geschneit hat, war da endlich auch ein Stückchen des gesuchten russischen Wintermärchens. Leider war die dortige Hauptkirche gesperrt, es fand dort gerade eine Teufelsaustreibung statt. So jedenfalls haben es uns unsere russischen Freunde, die mit uns gefahren waren, erklärt.

Einen krönenden Abschluss fand der Weihnachtstag mit dem Besuch des Bolschoi-Theaters. Wir hatten Karten für "Eugen Onegin", eine der großen russischen Opern, Text von Puschkin, Musik von Tschaikowski. Es war ein Genuss. Eine sehr klassische Aufführung, mit Kostümen und Bühnenbild wie bei der Uraufführung vor 125 Jahren und einem Ensemble, das nicht zu Unrecht Weltruhm genießt.

Alles in allem: Ein wunderschönes Weihnachtsfest, besinnlich und ohne Stress, und das trotz oder vielleicht gerade wegen der Andersartigkeit.

Und heute abend gegen 23 Uhr gehts dann mit dem Nachtbus raus in die russische Provinz, um dort für drei Tage zu leben, wie es ein Großteil der Russen tatsächlich (immer noch) tut. Denn auch die Russen versichern immer wieder: Moskau und Petersburg - das ist nicht Russland!

Berichterstattung folgt.





Donnerstag, Dezember 21, 2006

Ich lebe noch!

Nachdem mich einige besorgte, polonisierte Mailanfragen erreicht haben, hier nun die offizielle Bestätigung: Ich lebe noch und bin soweit gesund! Zum Schweigen haben mich keine Pülverchen gebracht, sondern einfach das riesige Arbeitspensum hier an der Uni. Hier war die letzten Wochen hart arbeiten angesagt. Eine Hausarbeit nach der anderen war zu schreiben, ca. 3 bis 4 pro Woche, hinzu kamen noch jeweils 1 bis 2 Klausuren. Also mehr als reichlich zu tun; da blieb keine Zeit und Muße für den Blog. Vieles war im Vergleich zum deutschen Studium nicht wirklich schwer, aber einfach unglaublich viel. Bin ganz schön auf dem Zahnfleisch gegangen. Totmüde und ausgelaugt bin ich, freue mich auf die Weihnachtsferien. Eigentlich fangen diese hier erst Neujahr an, da ja Weihnachten hier erst am 6. Januar gefeiert wird. Aber wir "westlichen Ausländer" haben schon nächste Woche freibekommen.

Weihnachten geht es dieses Jahr allerdings nicht heim, sondern auf ein russisches Dorf. Lisa, ein paar Freunde und ich fahren für einige Tage dahin, wo es angeblich noch so richtig russisch ist. In ein Dorf ca. 500 km von Moskau entfernt, ohne fließend Wasser, aber immerhin mit Strom. Dort werden wir auf einem Bauernhof wohnen, wo noch alles selbst gemacht wird. Die hofeigenen Kühe geben frische Milche, die Eier geben die Hühner, Brot wird selbst gebacken. Dazu gibt es dann Eingemachtes vom Sommer, Marmelade, Wurst usw. Tagsüber können wir durch den Schnee wandern, auf dem großen Schlitten fahren oder, wenn wir durchgefroren sind, in der Banja (Sauna) wieder aufwärmen. Und einen Weihnachtsbaum gibt's natürlich auch, frisch im Wald geschlagen. Das wird ein erholsamer Gegensatz zu dem ganzen Moskauer Stress in den letzten Wochen und Monaten.

Und Neujahr sind wir dann wieder hier in Moskau. Sylvester auf dem Roten Platz!

Tja, mit dem Studium in Moskau war's das dann auch fast schon wieder. Anfang Januar geht es kurz in die deutsche Heimat, dann kommen hier die großen Prüfungen, insgesamt vier. Im Februar und März wartet dann auf mich das Praktikum in der Duma. Und am 1. April geht es schon wieder heim.

Soweit die Planungen, aber ein bisschen Zeit bleibt ja zum Glück noch. Und ab jetzt werde ich hoffentlich auch wieder häufiger zum Blog-Schreiben kommen.

Und als Einstimmung auf die Feiertage gibts hier vorab schon mal die herzlichsten Wünsche aus der Ferne (eine Übersetzung wird auf Wunsch nachgeliefert):

С Новым счастьем!
С яркой ёлкой на снегу!
Я вам всем желаю счастья
В наступающем году!!!

Mehr in Kürze! :-)

Sonntag, November 26, 2006

Der Präsident kommt...

... räumt die Straßen! Und zwar vollständig!

Ich glaubte vor kurzem meinen Augen nicht zu trauen, als bei einem Blick aus meinem Fenster plötzlich die Straßen wie leer gefegt waren. Das ist umso erstaunlicher, da wir an einer der meistbefahren Straßen wohnen, dem sich rund um das Zentrum Moskaus ziehenden Gartenring, auf beiden Seiten vierspurig. Ein Zustand, den man sonst nicht einmal nachts zu sehen bekommt.

Aber wenn der Präsident dort langfahren will bzw. muss, wird kurzerhand eben einfach mal die Straße gesperrt, für gut 15 - 20 Minuten und das mitten zur Hauptverkehrszeit. Nichts geht mehr, die Straßen sind leergefegt. Bis dann plötzlich ein kleiner Konvoi vorbeigeschossen kommt. Vorn ein paar Polizeiautos, die verifizieren, ob die Straße auch wirklich frei ist und wahrscheinlich ansonsten kurzerhand den Weg wie auch immer freiräumen, in einem kurzen Abstand gefolgt von ein paar gepanzerten Jeeps, in deren Mitte eine große schwarze Limosine fährt. Hinterher kommen dann noch ein paar Begleitlimonsinen und weitere Polizeiautos. Man kann gar nicht so schnell schauen, und schon ist der "Spuk" wieder vorbei (daher gibts leider davon auch kein Foto). Und einige Minuten später rollt dann auch wieder der Verkehr auf der insgesamt achtspurigen Fahrbahn, eng aneinandergereihte Fahrzeuge aller Couleur und Klassen, von uralten Kisten aus Sowjetzeiten bis hin zu neuen, schicken und hochmodernen Riesenautos.

Ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn unsere Kanzlerin durch Berlin fährt. Werden da auch die Straßen vollständig gesperrt?

Mittwoch, November 22, 2006

Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift

Heute hab ich mich mal wieder über eine dieser russischen, nicht immer nachvollziehbaren Vorschriften, derer es leider viele gibt, so richtig geärgert.

Passiert ist folgendes: Seit Tagen brüte ich über einer Arbeit, die wir für die Uni zu schreiben haben. Das Thema lautet: "Mein Plan für eine effektive Waffenkontrolle". So allgemein wie sich das anhört, soll es auch sein. Wir sollen im Fach "Internationale Sicherheit" unseren höchsteigenen Plan zu Papier bringen, wie man erreichen könnte, das es eine bessere Rüstungskontrolle auf der Welt gibt. Also, was sich ganze Herrscharen von Diplomaten und sonstigen Experten seit Jahrzehnten vergeblich zum Ziel gesetzt haben, auch wir sollen uns daran versuchen und ein kurzes Essay von 1-2 Seiten dazu schreiben. Nun ja, soweit, so gut.

Nachdem ich das erste Papier, welches wir für diesen Prof. zu schreiben hatten, beim letzten Mal auf Englisch aufgegeben habe (ich darf zur Zeit in einigen Fächern meine Arbeiten noch auf Englisch schreiben), hat dieser Prof. diesmal darum gebeten, dass auch ich meine Arbeit auf Russisch abgebe. Fair enough. Abgabetermin ist morgen früh im Kurs. Und bei dem hiesigen Arbeitspensum habe ich mich, wie das meistens so ist, natürlich auch erst wieder auf den letzten Drücker an die Arbeit gemacht. Das meiste habe ich in Nachtarbeiten daheim zu Papier gebracht, aber die letzten Zeilen dann erst heute im Computerraum der Uni. Und während ich so sitze und arbeite, erscheint plötzlich eine Warnung (natürlich auf Russisch) auf meinem Computer. Und ehe ich schnell genug lesen konnte, was da steht, fährt auch schon mein Computer runter. Ich war gerade auf der letzten Seite der Übersetzung meiner Arbeit vom Deutschen ins Russische, die dank eines tollen Internet-Übersetzungsprogramms doch relativ unproblematisch von Statten gegangen war. Andererseits hatte mir auch Studienkollegen angeboten, mir bei der Übersetzung zu helfen.

Und plötzlich war alles weg! Die ganze Arbeit der letzten Stunden - der letzten zwei Stunden, um genau zu sein, wie ich dann sogleich erfahren durfte. Ein ungläubiger und unsicherer Blick zur Aufsichtsperson des Computerraums wurde dann sogleich mit einer Anwort beehrt: "Only two hours, next time, tomorrow again". Ich versuchte ihr dann zu erklären, dass sich meine ganze Arbeit auf dem Computer befunden hätte und ich nicht mehr dazu gekommen war, die Datei richtig abzuspeichern. Ich hatte zwar, vorsichtig wie ich bin, eine Version auf dem Arbeitsplatz gespeichert, nur war dieses Dokument beim Wiederhochfahren dann leider verschwunden. Auf alle Ewigkeit. Zwei Stunden harte Arbeit umsonst. Pech gehabt. "Tomorrow again, two hours".

Nun, eigentlich macht diese Vorschrift unter bestimmten Bedingungen ja Sinn. Zum Beispiel mittags, wenn viele Studenten die Computer benutzen wollen. Aber zu der fraglichen Zeit waren schon seit geraumer Zeit zwei Drittel der Arbeitsplätze unbesetzt, niemand hatte auf meinen Platz gewartet. Und trotzdem: Es war nichts zu machen. "Only two hours, tomorrow."

Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...

Eine ähnliche Vorschrift gibt es übrigens auch dahingehend, dass eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeiten niemand neues mehr an die Arbeitsplätze rangelassen wird, auch nicht für nur zwei Minuten, um etwas auszudrucken. Selbiges ist meinem Studienkollegen Bastian neulich passiert, der eine der Arbeiten unbedingt schnell noch abends ausdrucken wollte/musste, da morgens vor Unterrichtsbeginn der PC-Raum noch nicht geöffnet hat. Aber es war leider bereits 18.35 Uhr und um 19.00 Uhr macht der Computerraum zu. Also, keine Zuteilung mehr eines Computers.

Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...

Zum Glück sah er einen anderen Studienkollegen an einem der Computer sitzen und ging zu ihm hin, um dort kurz über dessen PC das Dokument auszudrucken. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Denn da kommt schon die nächste Vorschrift zum Tragen: an jedem Computer darf nur eine Person arbeiten. Und was Bastian da versuchte, sei ja die Höhe und wurde umgehend dahingehend geahndet, dass der Freund, der ihn an seinen Computer gelassen hatte bzw. lassen wollte, gleich mal seinen Computer-Zugang für einen Monat gesperrt bekommen hat. Da könnte ja jeder kommen.

Vorschrift ist schließlich Vorschrift ist schließlich Vorschrift...

Die gilt es einzuhalten, egal was. Ausnahmen von der Regel gibt es zumeist nur zwei: entweder Du bist mit der entscheidenden Person gut befreundet und bekommst quasi ein Auge zugedrückt oder Du bist der/die Vorgesetzte und darfst die Regel sowie brechen oder gleich ganz ändern. Alle anderen müssen sich an die jeweilige Vorschrift halten. Sinnvolle, situationsgerechte Einzelfallentscheidungen gibt es nicht. Denn das würde bedeuten, dass die betreffende Person für eine Fehlentscheidung ggf. auch die Verantwortung übernehmen muss. Dies ist allerdings ein Zustand, den fast alle Russen zu vermeiden versuchen, aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich spielt da die Geschichte, 70 Jahre Kommunismus und auch die Zarenzeit, eine nicht unerhebliche Rolle. Und so lange auch die letzten Relikte dieser Zeit nicht überwunden sind, gilt strengstens und ohne Ausnahme:

Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift...

Dienstag, November 21, 2006

Die strenggeheimen Kreml-Protokolle

Wer vor kurzem den "Spiegel" No. 46 gelesen hat, dem ist bestimmt noch die Titelstory in Erinnerung - betreffend die Kreml-Protokolle aus den Jahren 1985 bis 1991. Also die ganz geheimen Aufzeichnungen aus dem Inneren der Sowjetmacht während der Zeit Gorbatschows.

Auch ich habe diese ungemein spannende Titelgeschichte mit größtem Interesse gelesen, teuer habe ich zudem dafür bezahlt. Um in Moskau nicht ganz den Anschluß an die Geschehnisse in Deutschland zu verpassen, gönne ich mir auch hier den "Spiegel" jede Woche für 350 Rubel, umgerechnet gute 10 Euro (!).

Angeregt von dem spannenden Artikel habe ich mich denn auch gleich auf den Weg zu einem der größten der in Moskau wirklich unzähligen Buchläden gemacht, um dort das Buch "Im Politbüro des ZK des KPdSU", auf das sich der Spiegel-Artikel bezog, zu erwerben. Nachdem ich der Verkäuerin verständlich gemacht hatte, was ich denn möchte, meinte sie nur kurz angebunden: Mal schauen, ob noch ein Exemplar da ist, ich glaub ja nicht. Aber ich hatte Glück und hielt in meinen Händen doch tatsächlich das letzte vorhandene Exemplar dieses 784-seitigen Werkes, das erst vor zwei Wochen erschienen und offensichtlich doch schon vergriffen ist. Herausgegeben wurde das Buch von der Gorbatschow-Stiftung und enthält die Aufzeichnungen dreier enger Vertrauter Gorbatschows, die ab 1985 festgehalten haben, was damals in den Sitzungen des sagenumwobenen und strenggeheimen Zirkel so gesprochen und gedacht wurde.

Ob ich mir diesen dicken Schmöker auch wirklich kaufen sollte, dessen war mir allerdings nicht so sicher. Zum einen ist mein Russisch ja noch in den Anfängen, zum anderen hat mich der Preis von 669 Rubel (ca. 19 Euro) etwas abgeschreckt. In dem Spiegel-Artikel war noch ein Preis von 555 Rubel vermerkt, der, wie ich dann sah, unter dem aktuellen Preis tatsächlich auch noch verzeichnet war. Angesichts der großen Nachfrage hatte man aber den Preis wohl einfach erhöht, eine Buchpreisbindung scheint es in Russland also nicht zu geben. Aber da mich das Thema wirklich interessiert, mein Russisch hoffentlich mit der Zeit besser wird und zudem völlig unklar ist, ob und wenn ja wann es eine deutsche Übersetzung des Buches geben wird, habe ich mich doch zum Erwerb entschlossen.

Und so werde ich nun mittels dieser Lektüre versuchen, tiefer in das damalige Denken der Sowjetmacht vorzudringen und so ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum die Geschichte so verlaufen ist, wie wir sie erlebt haben - falls neben meinen vielen Arbeiten, die ich für die Uni schreiben muss, überhaupt noch Zeit zum Lesen übrigbleibt.

Sonntag, November 19, 2006

Kulturgenuß in Moskau

Die Kulturlandschaft in Moskau ist zu Recht in aller Welt berühmt. Es ist schon erstaunlich, was es hier alles an Angeboten gibt. Aber noch erstaunlicher ist aus meiner Sicht, wie stark frequentiert die hiesigen Angebote sind. Während man in Deutschland ja öfter mal in einem halbleeren Saal sitzt und auch die Anbieter recht häufig über mangelndes Interesse klagen, kann ich dies hier nicht beobachten. Im Gegenteil. Wenn man nicht schnell genug ist, bekommt man keine Karten mehr, egal wofür. Und obwohl hier die Karten zum Teil einem Monatslohn entsprechen, sieht man auch viele "normale" Leute im Publikum. Kunst füllt zwar nicht den Magen oder Ofen, scheint aber für viele Russen trotzdem ein notwendiges Lebenselixier zu sein.

Nachdem unser hiesiges Leben nun so langsam in geregelten Bahnen verläuft, haben wir endlich auch Zeit und Muße, das tolle Kulturangebot Moskaus etwas mehr auszuprobieren. So waren Lisa und ich, begleitet von zwei sehr netten Russinnen, die Lisa auf einer ihrer Wanderungen kennengelernt hatte, letzte Woche zum Beispiel in der Tretjakow-Galerie. Und haben uns dort von Olga und Mascha die Schätze der russischen Malerei erklären lassen, auf Russisch. Und zu unser aller Erstaunen ging das recht gut. Tja, Kunst spricht wohl doch eine eigene Sprache.

Konzerttechnisch fing unser Kulturgenuß schon mal vor gut drei Wochen mit einem Besuch des Moskauer Konservatoriums an, wo wir uns Arien und Lieder verschiedener Komponisten anhören wollten, vorgetragen von einer Sopran-Solistin und einer Pianistin. Leider muss ich sagen, dass dieser Abend eher ein Reinfall war. Die Sängerin war ziemlich grauslich (einhellige Meinung innerhalb unserer Gruppe): sie traf kaum einen Ton, gebärdete sich dafür aber umso gezierter und warf alle paar Minuten ihre blonde Mähne und den recht üppigen Busen auf der Bühne von einer Seite auf die andere, als wäre sie DIE Starattraktion Moskau schlechthin. Wir haben dann ein wenig spekuliert, wie sie den Bühnenauftritt bekommen hat, mit dem Ergebnis, dass auch die Russen in unserer Gruppe auf zwei verschiedene Varianten getippt haben.

Aber das hat uns trotzdem nicht abschrecken können, zumal uns versichert wurde, dass dies eigentlich nicht dem Niveau des Moskauer Konservatoriums entspricht. Daher probieren wir es diesen Freitag noch einmal aus, diesmal im großen Saal mit dem Staatlichen Nachwuchs-Sinfonie-Orchester. Gespielt wird Tschaikowski und Mozart - das dürfte eigentlich nichts schief gehen.

Und da wir gerade im Kartenkaufrausch waren und wir zudem die Zeit, die uns noch bleibt, gut nutzen müssen, haben wir uns gleich noch nach Opern- bzw. Balletkarten umgeschaut. Für die Klassiker "Nussknacker" bzw. "Schwanensee" waren Karten leider nur ab 100 Euro zu haben, was leider unseren finanziellen Mitteln nicht so ganz entspricht. Aber dafür schauen wir uns in zwei Wochen "Nabucco" von Verdi an. Und am 24. 12. dann "Eugen Onegin" von Tschaikowski. Kann es bei einem Weihnachten in Russland etwas schöneres geben, als am 24.12. im Bolschoi-Theater die Kunst der beiden größten Russen, Puschkin (Autor des "Eugen Onegin") und Tschaikowski, zu genießen?!