...war gestern abend angesagt. Mein Mitbewohner Kieran, inzwischen von seinem New Yorker Urlaub zurückgekehrt, hatte unmittelbar nach seiner Ankunft beschlossen, einen Großeinkauf zu machen. Allerdings spricht er kein Wort Russisch. Und trotzdem: irgendwie geht alles.
In diesem Fall mittels eines Taxifahrers, der Englisch konnte und uns zu einem billigen Großmarkt außerhalb Moskaus fahren sollte. Aus dringenden dienstlichen Gründen konnte Kieran (er arbeitet als Journalist bei "Russia Today", eine ähnliche Einrichtung wie die "Deutsche Welle") jedoch nicht mitkommen. Also haben Lisa und ich uns allein auf den Weg gemacht. Zusammen mit unserem Taxifahrer Tony, der wahrscheinlich mit vollem Namen Anatoli heißt. Da auf dem Weg raus aus der Stadt (der Supermarkt ist am ziemlichen Stadtrand) ein unglaublicher Stau war, konnten wir uns während der 1,5 Stunden mit Toni lange und ausgiebig unterhalten und viel über Toni und Russland erfahren. Tonis Englisch war extrem gut und wir erfuhren auch schnell warum. Toni war mal professioneller Eishockeyspieler gewesen, hatte für das russische Nationalteam gespielt und nach dem Zerfall der Sowjetunion für amerikanische, kanadische und europäische Clubs gespielt. Seine Lebensgeschichte mit all den Details würde Stunden dauern aufzuschreiben. Jetzt jedenfalls verdingt sich Toni als Taxifahrer, vor allem für die vielen Ausländer, die kein Wort Russisch sprechen und trotzdem so ihre Wege in Moskau erledigen müssen, wie eben Einkaufen, zum Flughafen fahren, aber auch abends ausgehen. Durch seine langen und vielen Auslandsaufenthalte kann Toni nicht nur das in dieser Hinsicht unbedingt erforderliche Englisch, sondern weiß vor allem auch, was man als Ausländer in der Fremde braucht.
Am "Ausflugsziel" angekommen, standen wir vor einem unglaublich riesigen Megastore. So ähnlich wie die Metro-Märkte, die es auch hier gibt, aber es war, wie wir bald rausfanden, ein normaler Supermarkt (normale Packungsgrößen), mit unglaublicher Auswahl und sehr günstigen Preisen. Während Lisa und ich unseren Weg durch all die Regale machten, wartete Toni in einem Cafe am Eingang und half uns dann mit den tausend Tüten an der Kasse, denn vor allem die Liste von Kieran war extrem lang gewesen.
Der Rückweg dauerte dann nur ca. 25 min, aber auf der Gegenfahrbahn war immer noch ein unendlich langer Stau. Toni erzählte uns, dass es abends ca. 1,5 - 3 Stunden dauert, um aus der Stadt zu kommen. Und das wollen abends nicht wenige, da sich in den 90er Jahren viele Moskauer ein Haus am Stadtrand gekauft haben. Sie wollten raus aus der riesigen, hektischen Stadt. Allerdings haben inzwischen auch viele wieder (mit Verlust) ihr Haus im Grünen verkauft, da sich keine Lust haben, jeden Tag ingesamt ca. 5 Stunden im Auto zu verbringen. Denn morgens spielt sich natürlich der gleiche Stau in Richtung Innenstadt ab. Dafür sind inzwischen Preise für Wohnungen innerhalb Moskaus, sowohl Kauf als auch Miete, explodiert. Kein Wunder also, dass in einigen Indexen Moskau als die teuerste Stadt geführt wird.
Keine guten Aussichten für unsere eigene Wohnungssuche, die wir endlich mal intensiv angehen müssen. Ich hoffe allerdings, vielleicht was über Freunde von Freunden von Freunden zu finden. Leider ist das Konzept der Wohngemeinschaft in Russland noch nicht so weit verbreitet, aber zumindest gibt es schon eine Webseite, wo man nach Wohnungen suchen kann. Also greife ich in guter Hoffnung wieder mal auf die bereits bekannte alte russische Weisheit zurück...